Archiv der Kategorie: Nepal

Annapurna Schnuppern!

Pokhara ist der Ausgangspunkt für die Annapurna-Bergwanderungen. Ursprünglich idyllisch am Fewa-See gelegen, wird gebaut, bis kein grüner Flecken außer dem Fußballfeld übrig bleibt. Immer die gleichen Souvenirshops, Paragliding-Agenturen, Restaurants,  Reise- und Ticketbüros reihen sich hier dicht aneinander.

Fußballtraining mit Aussicht in Pokhara
Fußballtraining mit Aussicht in Pokhara

Gilles aus Frankreich, der Australien, Teile Asiens und Amerikas mit dem Rad durchquert hatte, begleitet mich zu meiner Wanderung im Annapurna von Naya Pul Richtung Ghorepani. Der Weg führt direkt durch die Restaurant-Terrassen, oft an beiden Seiten mit Souvenirständen bestückt. Wer nicht in seinem Guesthouse von den identischen internationalen Speisekarten  ißt, darf Strafe zahlen!

IMG_094899 % der Trekker haben Guides dabei, selbst junge Männer trauen sich nicht, allein die ausgetretenen Wege zu finden. Wovor haben sie Angst, dem Yeti? Tiger gibt es, wenn überhaupt, nur im Südlichen Chitwan-Nationalpark und es ist hier kinderleicht, nicht vom rechten Wege abzukommen. Ab 4000 m in schneereichen  Höhen ist alleine wandern natürlich nicht ganz ungefährlich.

IMG_0849
ob Hühner, Lebensmittel oder Touristenrucksäcke, alles muß per Pony oder Mensch auf den Berg geschleppt werden

IMG_0947Ueleri, vor wenigen Jahren noch ein Dorf, ist jetzt zum Unterkunftszentrum mutiert. Da der Sonnenuntergang im Regen versank, schleppe ich mich mit Hunderten anderen am Morgen die scheinbar endlosen Stufen zum Poon Hill auf frostige 3193 m hinauf.

warten auf den Sonnenaufgang
warten auf den Sonnenaufgang
Machhapuchhare 6997 m
Machhapuchhare 6997 m
IMG_0889
rechts der Daulagiri 1, 8167 m, links Daulagiri 2 – 5

Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Bergspitzen rötlich anstrahlen und langsam nach unten wandern, ist alle Anstrengung vergessen!

IMG_0898
Daulagiri und rechts Tukuche Peak 6920 m

Gilles will in größere Höhen, ich wandere weiter nach Tadapani und geniesse einen echten Wanderpfad mit weniger Betrieb und gleichzeitiger Aussicht auf die Rhododenronwälder und Bergmassive.

IMG_0951

Eine Gruppe Koreaner wandert mit eigenem Koch, zwei Trägern, einem Giude und leistet sich sogar den Fotografen und Dokumentarfilmer Devendra Shahi Thakuri.

IMG_0937In Tadapani sind alle fünf Gasthäuser von vorreservierten Gruppen belegt, daher müssen mich meine müden Beine weiter nach Chiule in eine sehr einfache Unterkunft tragen. Obwohl es zwei! Satellitenschüsseln gibt, vertreiben sich die hier untergebrachten Guides mit Gerimball, einer Art Chips-Pool die Zeit.

IMG_0956Die „Dusche“ besteht aus einem Eimer mit heissem und kalten Wasser samt Schöpfkelle, immerhin ist sie heiss! Schon während des Abendessens fällt das Licht aus, so bleibt mal wieder nichts anderes übrig, als vor 8 Uhr in´s Bett zu hüpfen. Sind die Satellitenschüsseln nur Dekoration?

meine Farmunterkunft in Chuile
meine Farmunterkunft in Chiule

Die heissen Quellen von Jhinundanda, ca drei Stunden zu Fuß von Chiule, direkt neben dem reißenden Fluß sind genau das Richtige, um Muskelkater und Kälte zu vertreiben!

IMG_0991Kaum haben die anderen Badegäste und ich es uns gemütlich gemacht, rauscht ein Gewitter heran. Die offizielle Regenzeit beginnt doch erst ab Juni. Klitschenaß laufen wir in unserem Guesthouse ein und wärmen uns im Restaurant mit Dhal Bat, Reis mit Biogemüse und Linsen aus eigenem Garten und Lemon-Ginger Tee mit Rum auf.

Den ganzen Abend gibt es luxuriös Licht im empfehlenswerten Hot Spring Cottage und am nächsten Morgen eine tolle Aussicht von den Zimmern, endlich mit eigenem Bad, auf die Berge.

IMG_1008Von hier wären es nur ein paar Tage bis zum Annapurna Base Camp, wo es bei den Niederschlägen reichlich geschneit haben dürfte und Lawinengefahr besteht. Da ich weder einen minus 10 Grad Schlafsack, Spikes noch Stöcke dabei habe, lasse ich den Gedanken lieber fallen.

auf dem Weg nach Siwai
auf dem Weg nach Siwai

Nach Siwai sind es nur ein paar Stunden durch die Hügellandschaft, wo ich den Bus zurück nach Pokhara nehme. Die Straßen sind voller Schlaglöcher, so daß sich die Fahrgäste wie auf einem ruppigen Trampolin fühlen, da hilft nur, entspannt mitzuschwingen.

Statt nach Schnee und Eis ist mir zurück in Pokhara eher nach Rockmusik, um sich vom spartanischen Bergleben zu entspannen.  Amerikanerin Margaret und mich zieht es in die Bluesbar.  Die Band hat nicht nur schöne, lange Haare, der Sänger kann es fast mit Robert Plant, der Gitarrist mit Jimmy Page von Led Zeppelin aufnehmen.

IMG_6337Die Stimmung steigt, der Rauchpegel auch und es dauert nicht lange, bis die Ausländer die Tanzfläche stürmen. Die Nepalesen schauen lieber zu.

Eine ernorme Bus- PKW- und Lastwagenkarawane bewegt sich mit uns zurück nach Kathmandu. In fünf Jahren dürfte der Verkehr engültig zum Stehen kommen und das Trekken beginnt dann bereits in Kathmandu.

IMG_1059

Kleine Tips für Nepal:

In Kathmandu unbedingt eine Staubmaske kaufen, der Verkehr ist entsetztlich, staubig und laut darauf abgerichtet, möglichst viele Fußgänger zu erschrecken.

Thamel
Thamel

Das unweit vom lautenTouristenviertel Thamel gelegene Kathmandu Garden House in Paknajol, Sohrakhutte läd mit seinem wunderschönem Garten zum Relaxen ein und hat gute Zimmer. Wenn es voll ist, kann man auf die umliegenden Hotels ausweichen.

IMG_6369Das beste free WiFi, Village-Organic Himalayan-Kaffee, leckere Momos-Teigtaschen und andere Nepalesische Spezialitäten hat The Village Sunflower Restaurnat, J.P. Rd. nahe Chetrapati.

Wer sich für Geschichte und Architektur interessiert und den Verkehr aushält, ist im Kathmandu-Tal an der richtigen Adresse. Trekken kann man fast überall in den Bergregionen, in den weniger hohen Lagen auch ohne die teuren Parkeintritte zu zahlen. Der Panchase Trek unweit von Pokhara oder von Sarankot zum Beispiel ist nicht überlaufen, man kann zwei oder beliebig viele Tage unterwegs sein,  ohne Menschnmassen oder gar Souvenirshops.

IMG_1048
Aussischt vom Panchase-Trek auf Annapurna4, 7525 m links und Annapurna2, 7939 m

Nahe dem Gipfel im sehr einfachen Happy Heart Tee House wird hausgemacht statt mit internationaler Speisekarte gekocht.

Dal Bat à la Happy Heart mit Linsensuppe, Spinat, scharfen Pickles, Gemüsecurry und Hirsebrei statt Reis
Dal Bat à la Happy Heart mit Linsensuppe, Spinat, scharfen Pickles, Gemüsecurry und Hirsebrei statt Reis

empfehlenswerte Gasthäuser:

in Kathmandu:  das Kathmandu Garden House und Umgebung

www.hotel-in-nepal.com

in Pokhara die Green Peace Lodge, Berlin Guest House und Umgebung

www.greenpeace.com.np

 

 

 

 

Traumhafter Himalaya-Vorgeschmack

Massen von Trekkingtouristen, unter anderem durch Reinhold Messners Popularität und Jon Krakauers Buch Into Thin Air angezogen, haben Nepals Einwohner nicht verderben können, ein Lächeln mit Willkommensgruß bekommt jeder. Als mein Netbook beim Aufladen durch ständige Strom-Unterbrechungen zwei Tage lang streikte, meinte der nette junge Mann vom Internetcafé, nur keine Panik und machte es wie durch ein Wunder wieder lebendig.

Gerade habe ich es mir im Zimmer gemütlich gemacht und mein Buch vorgeholt, fällt der Strom und damit das Licht aus. Ein Wunder bei den Kabelverbindungen, daß es bei den Anschlüssen überhaupt Strom gibt! Kürzlich mußte der Kathmandu-Flughafen wegen Stromausfalls einen Tag geschlossen werden.

Stromkabel in Kathmandu
Stromkabel in Kathmandu

Heisses Duschwasser und Licht wird durch Sonnenkollektoren gespeist und ist trotzdem Glücksache, das free-of-trouble WiFi ebenso.

Bei der Aussicht auf den Himalaya sind alle Unwägbarkeiten vergessen! Der Französiche Israeli Mark, Ann aus Irland und ich ließen es langsam angehen und wanderten im Kathmandu-Tal von Sundarijal nach Chisopani. Spektakulär war der Weg nicht, Schulkinder und schwer mit Körben beladene Frauen begegneten uns, während Mark sich ständig beschwerte, daß ich zu schnell wanderte.

Proviant für unterwegs
Proviant für unterwegs

Er hielt bei jeder Ziege an, ich genoß die gute Luft frei von hupendem Verkehr. Als er darüber meckerte, daß sein Rucksack viel schwerer wäre als meiner, legt ich einen Zahn zu, um vom endlosen Geplapper befreit zu sein. Ann hatte auch bald die Nase voll und schloß sich mir an.

Auf dem Berg in Chisopani wurden wir mit einer fantasischen Aussicht auf die Bergketten belohnt.

IMG_0761Darauf genehmigten wir uns erstmal ein Everest-Bier.

IMG_0736
den Everest erklimmen dürfen andere!

Abends konnten wir Mark entkommen und wurden stattdessen von einem echten Gurkha zum Cognac eingeladen. Die berühmten Elite-Soldaten wurden um 1815 gegründet und kämpften für die Briten in Burma, Afghanistan, Bosnien oder gehören zur Singapore Police Force und der Britischen Royal Guard.

 Die Abzeichen der verschiedenen Gurkha-Regimente, immer mit den traditionellen Gurkha-Messern
Die Abzeichen der verschiedenen Regimente, immer mit den traditionellen Gurkha-Messern

„Unser“ Gurkha ist tätsächlich Security der Britischen Royals. Leider wollte er uns so gar keine Indiskretionen verraten. Falls Mark nochmal auftauchen sollte, werde ich „meinen“ Gurkha rufen!

Fast sieben Stunden brauchten wir den Weg hinunter nach Nargakot, für seine Aussicht bekannt, die uns diesmal wegen Dunst verwehrt blieb.

IMG_6313Zurück im abends frostigen Kathmandu wärmten wir uns erstmal mit diesem heißen, mit Senfkörnern gewürzten Millet-Bier auf.

freundliche Begegnungen im Dorf
freundliche Begegnungen im Dorf

Bandipur, ein Dorf mit Fußgängerzone, in der die Café-Gäste entspannt draußen sitzen können, lohnt sich für einen Zwischenstopp von Kathmandu nach Pokhara auf dem Weg zu den Trekks in´s Annapurna-Massif.

Das Sensationelle am nächsten Tag war die atemberaubende Aussicht vom naheliegenden Hügel auf die schneebedeckten Sechs- bis Siebentausender.

von links nach rechts Machhapuchhare 6993 m, Annapurna4 7525 m, Annapurna2 7937 m, Lamjung Himal 6966 m
von links nach rechts: Machhapuchhare 6993 m, Annapurna4, 7525 m, Annapurna2, 7937 m, Lamjung Himal 6966 m

 

 

 

 

 

 

Welcome to Nepal

Nepal hat nicht nur sensationelle Bergwelten zu bieten.

IMG_0699Die Anreise kann bereits zum Abenteuer mutieren. Der Online Check-In bei Malaysia Airlines kannte meine E-Ticket Nummer nicht, dafür teilte mir die von www.lastminute.com für Fluginfos empfohlene tripcase Webseite mit, daß mein Weiterflug von Kuala Lumpur nach Kathmandu statt um 20:15 Uhr erst um 2 Uhr nachts starten würde. Am Bangkoker Flughafen erfuhr ich, daß dieser rechtzeitig losfliegen, dafür der Bangkok-Kuala Lumpur Flug 1 ½ Stunden später abheben wird. In Kuala Lumpur verpaßte ich meinen Anschlußflug. Am Ticketschalter wurde mir nur ein Flug am nächsten Tag angeboten, der nächste um 23 Uhr wäre ausgebucht. Nach Konsultierung des Managers bekam ich spfort ein Ticket und begab mich zum Gate.

Im Flugzeug war mein Sitz bereits besetzt, so blieb nur die Businessklasse. Der Koreaner neben mir, der dem Bösewicht aus einem der Bondfilme ähnlich sah, erzählte, daß er drei Tage in Kuala Lumpur auf Kosten der Airline auf seinem Flug warten mußte, da in Kathmandu eine Maschine der Turkish Airlines bei extrem schlechter Sicht nicht ganz die Landebahn getroffen hat, im Gras landete und für vier Tage den Flughafen blockierte. 80000 Fluggäste waren betroffen. Um die Maschine zu entfernen, mußte Equipment von Indien ausgeliehen werden. Gottseidank wurde niemand verletzt.

Nach all der Aufregung ließ ich erstmal den Canard-Duchène Champagner öffnen und die Stewardessen wurden nicht müde, uns nachzuschenken. Die Landung war sanft und entspannt, der Immigrationofficer hieß mich willkommen und ich begab mich zum Baggage Claim. In der Halle stapelten sich Berge von Gepäck und Menschenmassen in Viererreihen an der Ausgabe. Zwei Stunden später, gegen vier Uhr morgens, gab ich es auf und nahm ein Taxi zum Hotel. Der Taxifahrer erzählte, daß es für Katmandu normal sei, sein Gepäck ein paar Tage später zu bekommen.

IMG_0688Nach ein paar Stunden Schlaf durfte ich die umliegende Bergwelt  bewundern und vom Himalaya träumen! Ich nutzte die Gunst der Stunde, im März versinken die Berge oft im Dunst und bestieg den heiligen Affentempel, das Wahrzeichen von Kathmandu.

die Affen warten schon...
die Affen warten schon…

Prompt ließ ich mir den gerade gekauften Fruchtsalat klauen! Verscheuchen ließen sich die Affen nicht.

Gebetsmühlen
Gebetsmühlen

IMG_0695Am nächsten Morgen versuchte ich mein Glück erneut am Flughafen. Im „Lost and Found“ Büro schickte man mich in die immer noch mit Gepäck vollgestopfte Ankunfthalle, gerade wäre ein Flugzeug von Malaysia Airlines gelandet. Am Gepäckband traf ich Gleichgesinnte und hörte ihre Stories, wie sie an Flughäfen festsaßen, mein Gepäck tauchte nicht auf. Am Counter hatte tatsächlich ein Mitarbeiter eine Liste mit Nummern und meinte, meine wäre darunter. In einer Ecke fanden wir dann tatsächlich meinen Rucksack!

die "Stromversorgung" Kathmandus
Der Strom ist in Nepal auf bestimmte Zeiten limitiert, wenn er nicht von allein ausfällt