Archiv der Kategorie: Filmfest

Was gibt es Neues auf dem Sommer-Filmfest Münchens?

Cineasten und Filmliebhaber dürfen aufatmen: nur noch 10 Tage, dann können sie sich auf Münchens entspanntem Filmfest bei aufregenden Filmen in Originalfassung abkühlen, die Regisseure mit Fragen löchern und anschließend auf Partys und Empfängen Gleichgesinnte treffen.

Start ist am 27.6. 18 mit F.W. Murnaus Stummfilmklassiker „Faust – eine Deutsche Volkssage“ in der Philharmonie mit Live-Musik des Komponisten Bernd Schultheiss, gespielt von den Münchner Symphonikern.

Mackie Messer Brechts Dreigroschenfilm mit Tobias Moretti

Offiziell eröffnet wird das Fimfest München am 28.6. mit „Mackie Messer –  Brechts Dreigroschenfilm“ von Joachim A. Lang mit Tobias Moretti, Hannah Herzsprung und Joachim Krol aus der Reihe Neues Deutsches Kino. Hier werden Klassiker über Brechts Rechtsstreit und einem fiktiven Filmprojekt neu interpretiert mit echten Brecht-Zitaten, klingt spannend!

Emma Thomson im neuen Film Kindeswohl

Stargäste sind diesmal die zur „Dame“ gekürte Oskar-Preisträgerin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Emma Thomson, die ihren neuen Film „Kindeswohl“ und drei ihrer früheren Filme vorstellt. Sie spielt in „Kindeswohl“ eine Familienrichterin, die mit dem Fall eines leukämiekranken Jungen der Zeugen Jehovas konfrontiert ist, dessen Eltern aus religiösen Gründen einer lebensnotwendigen Bluttransfusion nicht zustimmen wollen.

der urkomische Film „Die Ritter der Kokosnuss“

Sie bekommt wie Regisseur Terry Gilliam den Cine Merit Award, dessen Filme „Brazil“, „Die Ritter der Kokosnuss„,  „Der König der Fischer“, „Lost in La Mancha“ und „The man who killed Don Quichote“ gezeigt werden. Die Verfilmung des letztgenannten Films dauerte 20! Jahre. Ich bin gespannt, was er darüber beim Filmgespräch am 2.7. um 17 Uhr in der Blackbox zu erzählen weiß. Alle Filme unbedingt anschauen!

„Zama“

10 Filme von Meisterregisseuren wie Lucretia  Martel mit „Zama“ über den königstreuen Zama, der 1790 auf seinem verlassenen Außenposten Paraguays auf seine Versetzung nach Argentinien wartet,  locken in der Reihe Cinemasters, allesamt von den Programmern des Filmfests wärmstens empfohlen.

„Border“

In der Reihe Cinevision habe ich mir den „un certain regard“ Gewinner „Border“ aus Dänemark angekreuzt; die beim Zoll arbeitende Tina hat einen ausgezeichneten Geruchssinn und bei einer Begegnung mit einem außergewöhnlich riechendem Mann öffnet sich eine Tür zu einer mythologischen Welt. In „Chuva é cantoria na aldeia dos mortos“ erlebt ein Eingeborener aus dem Brasilianischen Regenwald die Großstadt. Auch er gewann den Jurypreis „un certain regard“. „Diamantino“ erzählt eine Geschichte über einen Portugiesischen Fußball-Weltstar, der seine Talente verliert und auf der Sinnsuche mit der Flüchtlingskrise, dem Neofaschismus und der Gentechnik konfrontiert wird.

Anon

Im Spotlight zeigt unter vielen anderen wieder Klaus Lemke sein neuestes Werk „Bad girl avenue“ über Frauen, die ihre Männer in Mimosen verwandeln, um sie später auszuwidern, man darf gespannt sein! Brandaktuell der Abschlußfilm „Anon“ von Andrew Niccol über die totale Datentransparenz über eine Augenimplantation, auf der alles gespeichert wird, ein Horrofilm der nicht mehr so fernen Zukunft! Nicht entgehen lassen.

Nicht nur in diesem Film geht es um die weltweite, permanente Überwachung, der Entführungethriller „Searching“ spielt sich ausschließlich auf Computerbildschirmen ab, „Dragonfly Eyes“ von Bing Xu besteht nur aus Material mit Überwachungskameras.

Filme von Philipp Gröning und Lucretia Martel sind in der Retrospektive zu sehen, die International Independents warten mit 64! spannenden Filmen auf. Das Seriencamp, Kinderfilmfest, die neuen Deutschen Serien und Filme runden das umfangreiche Programm ab. Natürlich sind alle Filmemacher in der Blackbox live zu erleben. Neben vielen Fachveransstaltungen und Workshops laden öffentliche Partys zum Feiern ein, darunter im Bahnwärter Thiel am 30. Juni.

Alles Infos unter filmfest-muenchen

Fotocredit: Filmfest München

Titelbildcredit: aus „Lost in La Mancha“ Diego Lopez Calvin

Lachmuskeltraining, Familiengeschichten und politische Brisanz auf dem Münchner Filmfest

Meine Favoriten vom Filmfest

Deutsche Komödien waren ein Angriff auf die Lachmuskeln mit integriertem Bauchmuskeltraining wie bei Fühlen Sie sich auch manchmal ausgebrannt und leer? Paartherapeutin Luisa, gespielt von der fantastischen Lena Beckmann, hat ein leidenschaftliches Wochenende mit ihrem Liebhaber, mit viel Körpereinsatz gespielt von Benno Führmann, geplant, als ihr Ehemann (Charly Hübner) einen Hexenschuß erleidet und nicht zum geplanten Klassentreffen fahren kann. Die chaotische Luisa ist verzweifelt, als sie plötzlich einen Klon von sich vor sich sieht. Ideal denkt sie, dann kann ihre Doppelgängerin sich um ihren Mann kümmern, während sie ihren Liebhaber treffen kann. Den Männern gefällt ihr naives, ständig mampfendes, zweites Ich. Mit viel schrägem Humor inszeniert Regisseurin Lola Randl diesen rasanten Film, inklusive überaschendem Ende, empfehlenswert! Ab 18.10.2017 kommt er in´s Kino.

Lena Beckmann und Benno Fühmann im herrlich komischen Liebesrausch

Beim Förderpreis Neues Deutsches Kino räumte Sommerhäuser von Sonja Maria Körner den Regie- und Produzenten-Preis ab. Die schwangere Regisseurinn bedankte sich bei ihrer Mutter über die Betreuung ihrer Tochter, während sie sechs Wochen am Ammersee drehte.  Der Film spielt im heissen Sommer 1976 im Gemeinschaftsgarten einer Familie, die sich über den Verkauf des Grundstücks nicht einigen können. Die Kinder erkunden den Garten und den des Nachbars, als die Nachricht von einem verschwundenen Mädchen die Runde macht.

nicht nur Entspannung in der Sommerhaus-Idylle

Die Produzenten Tobias Walker und Phillip Worm bekamen dafür den Nachwuchsproduzentenpreis. Der Film kommt am 28.10.2017 in die Kinos.

Annika Meier wurde für ihre Darstellung einer Djane in Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt  ausgezeichnet, ein schräger Film über Karl Schmidt, gespielt von Charly Hübner, der in einer Drogen-WG lebt, weil er nach dem Mauerfall einen Nervenzusammenbruch erlitt. Seine alten Kumpels, darunter Detlef Buck mit blondgefärbten Haaren, sind Techno Stars geworden und heuern ihn als Fahrer an. Eine duchgeknallte Verfilmung vom Sven Regener-Roman, die man warscheinlich am besten unter Drogeneinfluß erträgt.

Julie Langhold und Thomas Gerhold erhielten den Drehbuchpreis für Lomo-The Language of many others, bei dem die Follower des Blogs von Karl immer mehr die Macht über sein Leben übernehmen…

Urkomisch deftig aus der Reihe Neues Deutsches Fernsehen sind Falsche Siebziger von Mathias Kiefersauer mit Sebastian Bezzel. In einem Dorf, irgendwo in Bayern, sterben fast gleichzeitig drei reiche Senioren. Ihre eher mittellosen Kinder möchten sie in Form von Doppelgängern aufleben lassen, um die Rente zu kassieren und das Testament  ändern zu lassen. So werden die Toten in den nahen Salzstollen verfrachtet.  Die Doppelgänger sind schnell gefunden. Urkomisch, daß der Priester eine Affäire mit einer der Verstobenen hatte und nun die verwirrte Doppelgängerin anbaggert. Haarsträubende Verwicklungen ohne Ende und Tote am Fließband lassen die Tränen vor pechschwarzem Humor fließen.

die Falschen Siebziger und ihre „Kinder“

Tragikomisch ist der Bernd Burgemeister Preisträgerfilm Zuckersand von Dirk Kummer. Als die zwei besten Freunde Jonas und Fred in der ehemaligen DDR einen Bumerang geschenkt bekommen, entsteht die Idee, einfach einen Tunnel bis nach Australien zu graben. Das hat tragische Folgen. Beide Jungen fürchten, für immer getrennt zu werden, als Fred´s Mutter einen Ausreiseantrag stellt. Tilman Döbler als Jonas trägt den Film mit viel Humor, seine Mutter traut sich, gegen die DDR-Repressalien verbotenerweise menschlich zu sein.

die zwei besten Freunde aus Zuckersand

Sofia Coppola beehrte das Filmfest mit einer Retrospektive ihrer Filme. Ihr neuer Film die Verführten lief auch im Cine Masters Wettbewerb. Im Film spürt man die Hitze des Amerikanischen Südens umso mehr, als ein verletzter Soldat aus dem Norden von den Frauen des Mädchenpensionats gepflegt wird. Subtil erzählt Sofia Coppola, wie die Begierde sich langsam aufstaut, der Soldat, viril gespielt von Colin Farrel, alle manipuliert, aber die Frauen sich durchaus zu wehren wissen.

Der Film läuft seit dem 29. Juni in den Kinos.

Den Arri/Osram Award, der die Cine Masters Reihe prämiert, bekam Loveless von Andrej Zvyagintsev für sein Drama um einen Sohn, der spurlos verschwindet, während die Eltern sich grausam um ihre Scheidung streiten.

Mein absolutes Highlight war die Pressekonferenz mit Brian Cranston. Er verzauberte alle mit seinem Charme, seiner Lust an der Schauspielerei und inspirierte die Anwesenden, ihr Talent nicht zu verschwenden, sondern ihrer Leidenschaft zu folgen. Die neuen Episoden von Breaking Bad und alle seine Filme wurden gezeigt, darunter der hervorragende Trumbo, in dem er einen in der Mc Carthy Ära verfolgten und von Kollegen denunzierten Drehbuchschreiber spielt. Daher heuert er bei einem Trashproduzenten an. Der sagt, daß er keine Credits am Schluß bekommen kann, Trumbo antwortet, das wollen Sie auch nicht. Nachträglich wird er den Oscar für „Ein Herz und eine Krone“  bekommen, nachdem ihn Kirk Douglas engagiert hat. Humorvoll inszeniert erzählt der Film eine wahre Geschichte vom Hollywood der Fünfziger Jahre in der Mc Carthy Ära. Das gab eine Oscar-Nominierung für Brian Cranston. Alle seine Filme sind sehenswert!

Brian Cranston in seinem Element auf der Bühne

Politisch brisant waren viele Filme aus dem Iran, China und Lateinamerika. 1983 wird der homosexuelle Schriftsteller Andrès in die Berge der Östlichen Provinzen Kubas verbannt. Die Landarbeiterin Santa wird zu seiner Überwachung entsandt, als in der Nähe ein internationaler Kongreß stattfindet.  Auf einem Stuhl sitzend beobachtet sie ihn und die ruhigen Bilder erzählen, wie sie sich langsam annähern. Obwohl sie nichts Verdächtiges berichten kann, wird er Opfer von tätlichen Angriffen des Staatskomitees . Erstaunlicherweise wird der kritische Film Santa y Andrès auch in Kuba im Kino zu sehen sein.

Ebensfalls aus der Reihe Spotlight kommt die göttliche Ordnung über die Einführung des Wahlrechts für Frauen in der Schweiz, über das die Männer lächerlicher- und unglaublicherweise abstimmen mußten.  Für die heutige Zeit fast undenkbar und sehr empfehlenswert! Er läuft bereits im Kino.

Die „göttliche Ordnung“ löst sich auf

In der Reihe International Independents erzählt Regisseur Robert Calzadilla in El Amparo die wahre Geschichte von 14 Fischern im Grenzgebiet von Kolumbien und Venezuela, die von Militärs für Guerillas gehalten und daher erschossen wurden.  Natürlich versuchen diese, das zu vertuschen, aber die Betroffenen wehren sich bis heute.

In Fits and Starts wird die Literaturszene mit ihrer Arroganz und ihrem Snobismus auf die Schippe genommen. David Warwick wird seit Jahren mit seinem Roman nicht fertig, während seine Frau als Star gefeiert wird.  Auf einem Empfang schafft er es endlich, der aufgetakelten, gelangweiten Szene seine Meinung zu geigen, urkomisch! Der Kinostart steht noch nicht fest.

David und seine Frau und Starschriftstellerin jennifer

In A fábrica de nada erfahren die Fabrikarbeiter, dass ihr Chef seine eigenen Gerätschaften stielt, um die Produktion zu verlagern. Obwohl die Mitarbeiter mit Geld gefügig gemacht werden sollen, wehren sie sich auf schrägste Weise. Dafür erhielt der Produzent Thiago Hespanha den Cine Vision Award.

Widerstand in Form eines Musicals

Musikalisch auch der Gewinner des Publikumspreises Immer noch jung über die Killerpilze.

nicht nur die Killerpilze feierten!

die ganze Filmbranche feierte tag und nacht, so dass viele keine Zeit zum Filme schauen hatten. Wie hartnäckig auf dem Münchner Filmfest gefeiert wird hier:http://horizonteentdecken.de/kino-und-partysucht-auf-dem-filmfest-muenchen/ . Trotzdem gab es einen Zuschauerzuwachs auch in 2017. Am 28. Juni – 7. juli 2018 geht´s weiter. Alle Infos auf www.filmfest-muenchen.de

 

 

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Finale beim Filmfest München

und bald für Deutschland, (bei der EM)?

Spannung erzeugte das Filmfest allemal, die Filme waren es und für die Filmemacher, die auf den Preisregen hofften.

Ellen Burstyn verzauberte bei den Filmmakers live
Ellen Burstyn verzauberte bei den Filmmakers live

Die wunderbare Ellen Burstyn blieb einige Tage, schwärmte von Maren Ades Eröffnungsfilm „Toni Erdmann“ und „Schildkröten können fliegen“ aus der Retrospektive vom Regisseur Bahman Ghobadi, der eine ganze Fangemeinde zum Filmfest zog. Sie ließ es sich nicht nehmen, spät abends nach dem Screening von „House of Cards“, wo sie Robin Wrights Mutter spielt, für Fragen auf die Bühne zu kommen. Mit ihren 83 Jahren begeisterte sie uns mit ihrem Witz und intelligentem Charme. Ihre Arbeit wurde vom Filmfest mit dem Cine Merit Award gewürdigt.

In „The Salesman“ von Asghar Farhadi findet ein Mann in Teheran Blutspuren im Bad und seine Frau im Krankenhaus wieder, als er nach Hause kommt. Es wird nie ausgesprochen, was passiert ist. Der Ehemann versucht verzweifelt herauszufinden, wer das getan hat, um sich zu rächen, seine Frau möchte das nicht. Das bewegende Drama wurde mit dem ARRI/Osram Award als bester internationaler Film ausgezeichnet.

Die streng bewachte Liga des 8 Ordens lud in´s gruselig beleuchtete Lenbach, wo von Moderator Götz Otto die Shocking Shorts Awards aus 10 nominierten Kurzfilmen zum Thema Thrill & Crime verliehen wurden. Oskarpreisträger Florian Henckel von Donnersmark war der erste Gewinner vor 17 Jahren, in diesem Jahr freute sich Korbinian Dufter mit seinen Film „Pistenzauber“ über eine Reise nach Hollywood zum Universal Filmmaster Programm. Bei den 13 Sünden Hauptgang, der dunklen Macht der Nachspeise, der Wahrheit Wein oder dem Hoffnungsträger Bier wurde abgefeiert, was das Tanzbein hergab.

 in die Hände meiner Mutter
Jessica Schwarz und Andreas Döhler in die Hände meiner Mutter

Den Förderpreis Neues Deutsches Kino erhielt der überraschte Regisseur Florian Eichinger für sein Drama „Die Hände meiner Mutter„, der vom Mißbrauch einer Mutter an ihrem Sohn handelt, der jahrzehntelang totgeschwiegen wird. Der Hauptdarsteller Andreas Döhler wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet und an seinem derzeitigen Aufenthaltort Shanghai per Handy angerufen. Er freute sich und erzählte, daß er gerade nichts als Unterwäsche anhatte. Der Drehbuchpreis ging an Mareille Klein für „Dinky Sinky„, an die Produzenten Jana Raschke und Igor Dovgal der Preis für „Haus ohne Dach„.

Interessant, daß „Unterwäschelügen“ von Klaus Lemke ebenfalls für den Nachwuchspreis nominiert war. Erfrischend witzig und lässig inszeniert, mit Klischee-Anmache wie „Ich liebe dich“ und Retourkutschen „na, hoffentlich nicht zu lange“ konnten wir Cineasten uns mal von den ernsten Filmthemen entspannen und herzlich lachen.

Klaus Lemke inmitten seiner Hauptdarstellinnen
Klaus Lemke inmitten seiner Hauptdarstellinnen

Der One Future Preis ging an Regisseur Hans Steinbichler´s „Eine unerhörte Frau„, der wegen der Verfilmung in Bayerischer Mundart erstmal nur in Bayerischen Kinos gezeigt wird. Eine wahre Geschichte um eine Mutter, von Rosalie Thomas grandios gespielt, die letztlich erfolgreich für ihre kranke Tochter kämpft, der außer ihr keiner glauben will.

Die lobende Erwähnung erhielten Anca M. Lazarescu für „Die Reise mit Vater“ und Werner Herzog für „Lo and Behold, reveries of the connected world“. Selber ohne Smartphone, und seinen Computer ausschließlich für emails oder googlemaps mutzend, interviewt er Wissenschaftler, Technologieinvestoren und Roboterbauer über die Vernetzung und wie diese uns zukünftig  beeinflussen oder beherrschen wird. Der Roboterhersteller meinte, 2050 würden seine Roboter besser Fußball spielen als die Menschen, nur wer will das sehen?

Hiba und ihre Band in "ein Lied für Nour"
Hiba (links) und ihre Band in „ein Lied für Nour“

Mir gefiel  besonders „Ein Lied für Nour“ wegen der charismatischen Hiba Attalah als „Nour“, die auf der Bühne meinte, sie möchte lieber Ärztin werden als Schauspielerin. Sie bildet mit ihren Freunden als Teenager in Palästina eine Band und sie schaffen es, bei Hochzeiten zu spielen. Auf die Frage, ihr seid ja viel zu jung, antwortet die Band, wir kosten dafür weniger. Weil Mädchen nicht Musik machen dürfen, zieht sie ihre Baseballkappe in´s Gesicht, um als Junge durchzugehen. Nach einer wahren, tragischen Geschichte kommt ihr Bruder unter widrigen Umständen ganz groß raus, beheistert Palästina und die ganze Welt.

Der Schah, persifliert in "Nur wir drei gemeinsam"
Der Schah, persifliert in „Nur wir drei gemeinsam“

Einer meiner Favouriten war auch „Nur wir drei gemeinsam“ vom Französisch-Iranischen Komiker und Regisseur Kheiron, der auch die Hauptrolle spielt. Mit viel Humor erzählt er die wahre Geschichte seiner Eltern. Wegen Proteste gegen den Schah und danach Khomeni waren sie jahrelang im Gefängnis. Der Vater verweigerte im Gefängnis zur Geburtstagsfeier des Schahs zur Feier des Tages ein Kuchenstück zu essen, wurde  in Einzelhaft genommen und gefoltert. Später konnten sie aus dem Iran fliehen und landeten in der Banlieue von Paris. Hier schafften sie es, ein friedliches Refugium aufzubauen.

Dieser Film und  „Auf Augenhöhe“ freuten sich über den Publikumspreis. Dieses honorierte das Filmfestprogramm mit einem Zuwachs, über 79000 Zuschauer wollten die Filme sehen, Filmemacher treffen und bei den Partys feiern.

Mehr auf https://www.filmfest-muenchen.de

 

 

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Das Filmfest naht, da ist das Wetter fast egal!

Ob es wohl wie im letzten Jahr tropisch wird, wenn das Filmfest seine Kinos öffnet? Mit grellbuntem Eis am Stiel wirbt es auf den Plakaten, zum Abkühlen oder um sich bei spannenden Thrillern zu beruhigen?

Egal wie das Wetter wird, der Vorverkauf hat begonnen. Nur wie wählt man die interessantesten Filme aus dem überbordenden Programm aus? Die verschiedenen Reihen sind da nicht wirklich hilfreich.  Das Tolle: alle Filme werden in Originalfassung gezeigt und die Möglichkeit, mit Regisseuren und Schauspielern zu diskutieren ist groß.

Mit dem Cannes-Liebling „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Aden wird das Filmfest am 23.6.16, einen Tag früher als bisher eröffnet. In der Reihe „Deutsches Kino“ sind 19 Weltpremieren im Programm, bei allen Filmen stehen vermeintlich un-deutsche Themen wie grenzenlose Leidenschaft, Liebe und Hass im Fokus.

Die Reihe der Deutschen Fernsehfilme zeigt unter anderen „Dead man working“ über einen Investestmentbanker, der bei der „Siegesfeier“ seines Megadeals vom Dach fällt und der Börsenkurs daraufhin in´s Chaos versinkt.

Beim Jugendevent gibt es endlich „Smaragdgrün“, die heiss erwartete Fortsetzung von „Rubinrot“ und „Saphirblau“.

Der „CineVision“ Wettbewerb möchte junge, internationale Regie-Talente fördern und ihnen ein Forum bieten.

Ellen Burstyn in House of Cards
Ellen Burstyn in House of Cards

Oskarpreisträgerin Ellen Burstyn wird mit dem Cinemerit-Award für ihr exzellentes Schaffen geehrt. Ihre Filme wie „Alice don´t live here any more“, für den sie den Oskar bekam, sowie  zwei Folgen von „House of Cards“ werden gezeigt, in dem sie die Schwiegermutter vom Präsidenten Kevin Spacey spielt. Das kann nur spannend werden!

"Alaska" aus der Reihe Spotlight
„Alaska“ aus der Reihe Spotlight

Spotlight“ zeigt spannende Filme nahmhafter Regisseure wie Pedro Almaodovar mit „Julieta“, in dem es um Tod und Empfängnis geht oder Christopher Walken, der in „One more time“ einen Schnuzensänger darstellt. In „Alaska“ wird die Beziehung von Fausto und Nadine zwischen Paris, Mailand, Unfällen und Gefängnisaufenthalten auf die Probe gestellt.

In der Retrospektive kann man die außergewöhnlichenFilme vom Iranischen Regisseur Bahman Ghobadi entdecken, in der Christian Petzold-Reihe jene bewegenden Filme sehen, die man bisher verpaßt hat.

Unabhängig von großen Studios produzierte Filme finden bei den „Internationalen Independents“ ein Forum. Ob Etalbierte Meisterregisseure bei den „Cinemasters“, Filmleute bei der Arbeit in „Lights! Camera! Action!„, beim Kinderfilmfest oder den Open-Air Skaterfilmen, die Auswahl fällt schwer.

Entspannen kann der Cineast dann bei den zahlreichen Partys.

Alle Informationen gibt es auf der Filmfest-Webseite.

 

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Mit dem Filmfest kam der Sommer inklusive Filmwelt nach München

Trotz oder wegen der langersehnten Sommerhitze brach das diesjährige Internationale Filmfest München den Rekord vom letzten Jahr mit über 81000 Besuchern. Obwohl es einen Tag länger dauerte, fiel die Filmauswahl schwer.

Die Jurys der 15 Preise haben sich entschieden: Den mit 50000 € dotierten ARRI/OSRAM Award  erhielt Pedro Costa für „Cavalo Dinheiro“, der die Wurzeln der portugiesischen Kolonialgeschichte in meisterhaften, ergreifenden Bildern beschreibt.

Der CINEVISION AWARD 2015 ging an die beste internationale Regie-Entdeckung Andrew Cividino für „Sleeping Giant“, der vom Coming of Age bei einem tragischen Familienurlaub am Lake Ontario erzählt.

Nicht nur den One Future Preis der evangelischen Interfilmakademie, auch beim Förderpreis Neues Deutsches Kino räumte Visar Morina mit Babai die Preise für Regie und Drehbuch,  Astrit Kabashi und Val Maloku für ihr Schauspiel ab. Babai ist ein 10jähriger Albanischer Junge, der seinen nach Deutschland verschwundenen Vater sucht.

die "Babai" Crew freut sich über ihre Preise
die „Babai“ Crew freut sich über ihre Preise

Der charmante Rupert Everett stellte seinen mit herrlich spritzigen Dialogen gespickten „A Royal Night Out“ vor. Die Britischen Prinzessinnen Elizabeth (die spätere und jetzige Queen) und Margret möchten sich zur Feier des Kriegsendes im London 1945 unter´s Volk mischen, ein königliches Vergnügen!

Jean-Jacques Annaud feierte seinen Cine Merit Award
Jean-Jacques Annaud feierte seinen Cine Merit Award

Zusammen mit Jean-Jacques Annaud wurde Everett mit dem Cine Merit Award ausgezeichnet. Dieser brachte seinen Film „Der letzte Wolf“ mit und erzählte, daß ihm die Chinesen beim Drehen freie Hand ließen, im Gegensatz zu Produzent Bernd Eichinger beim Dreh zu „Der Name der Rose„.

Heiner Lauterbach, Udo Wachseitl und Hanno Koffler in Meister des Todes
Heiner Lauterbach, Udo Wachseitl und Hanno Koffler in Meister des Todes

Beeindruckend erzählt „Contergan“ Regisseur Daniel Harrich im fiktionalen Thriller „Meister des Todes“ von illegalem Waffenhandel Deutschlands nach Mexiko, das sich auch in der Realität im Drogenkrieg befindet. Der Mitarbeiter einer Waffenhersteller-Firma möchte nach schrecklichen Erlebnissen beim Waffenhandel in Mexiko aussteigen und sieht sich Bedrohungen von allen Seiten ausgesetzt.  Schon nach Harrichs Film „Der Blinde Fleck“ über das Oktoberfest-Attentat wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen.  Derzeit werden illegale Waffenexporte nach Mexiko gerichtlich untersucht. Eigentlich gehört dieser brisanter Film in´s Kino, wird aber am 23.09.15 im Rahmen eines Themenabends über Waffenhandel in der ARD laufen. Anschließend läuft die Doku „Netzwerk des Todes“ , ebenfalls von Daniel Harrich, der die Verwicklungen der Waffenfirma Heckler & Koch beim Waffenhandel mit Mexiko untersucht.

Amy Winehouse
Amy Winehouse

In „Amy“ erfuhr der Zuschauer, wie zerbrechlich und hilfsbedürftig Amy Winehouse war, doch weder ihr Vater und erst recht nicht ihr Ehemann Blake konnten ihr Halt geben, beziehungsweise hatten Interesse daran. Ihr Vater zog es vor, ein Buch und einen Film über sie machen zu lassen. Sie schaffte es zwar, von harten Drogen loszukommen, aber wandte sich stattdessen dem Alkohol zu. So zerbrach sie am Ruhm und starb an einer Alkoholvergiftung. Der Film gewann verdient den Oskar als bester Dokumentarfilm.

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Castor Party aus „ProjektA“

Über den Bayern 3 und SZ Publikumspreis freuten sich die Regisseure Moritz Springer und Marcel Seehuber von „ProjektA“  über alternative Lebensweisen, „Rettet Raffi“ erhielt den Kinderfilmfest-Publikumspreis.

 Raffi
Raffi

Swingfilme wurden im Open-Air Kino für Hartgesottene, die den Umgebungslärm ignorieren können, gezeigt, auf dem Abschlußfest bei Live-Musik die ganze Nacht durchgeswingt.

sogar barfuß und im Dirndl wurde geschwoft
sogar barfuß und im Dirndl wurde geschwoft

Während die Berlinale vom Großkonzern L´Oréal gesponsert wird, ließ sich das Münchner Filmfest vom hochwertigen Naturkosmetikkonzern Dr. Hauschka sponsern. Die Akkreditierten konnten sich nicht nur über die überdimensionale Segeltuchtasche mit dem Warhol-Aufdruck: „Sorry I can´t come, Andy“ freuen, sondern auch über Dr. Hauschka´s Lemongras-Körpermilch, das angekündigte Verwöhnset Frische und Energie, bei den Temperaturen dringend gebraucht, fehlte leider. Dafür konnten die Gäste des Director´s Cut das auf Naturbasis bestehende Anti-Aging-Gel Renu28 von Asea ausprobieren, ob es die Nachwirkungen der langen Partynächte ausgleichen kann.

Weitere Infos unter: www.filmfest-muenchen.de

www.asea.net

Entdeckungen auf dem 33. Internationalen Filmfest München

Nur noch zwei Tage, dann kann der Film-Affine aufatmen: Das Internationale Filmfest München öffnet seine Kinos, wo es gilt, neue Film-Entdeckungen zu machen oder in den Retrospektiven alte wieder aufleben zu lassen. Das Programmer-Team reiste auf Festivals rund um die Welt und sah sich über 2000 Filme an. Grenzüberschreitungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Programm.

GODLOVESTHEFIGHTER_MULTICOPY_kl_700So wird in „ God loves the fighter“ in der Reihe (Spotlight) aus dem bisher eher für Strände berühmten Trinidad und Tobago das harte Leben in der Hafenmetropole Port of Spain gezeigt. In „ Theeb“ (Cinevision) muß sich der Junge Hussein um seinen kleinen Bruder Theeb kümmern und gerät in ein gefährliches Abenteuer in der Wüste Jordaniens. Drei Filme aus Kolumbien werden gezeigt, darunter „La Tierra y la Sombra“ (Cinevision), der in Cannes die Camera D ´Or für den besten Erstlingsfilm erhielt.

La sombra y
„La Tierra y la Sombra“

Dort kehrt Alfonso, dessen Sohn durch den Qualm der Feuerrodungen krank wurde, nach 17 Jahren in seine Heimat zurück, um das Überleben seiner Familie zu sichern.

Sehr aktuell „Mediterraneo“ (International Independends) über Afrikanische Flüchtlinge, die ihr Leben riskieren, nur mit der zweifelhaften Hoffnung im Gepäck, in Europa ein besseres Leben zu finden. „La Obra del siglio“ (International Independents) erzählt die semidokumentarische Geschichte über eine halbfertige, stehengelassene Kernkraftwerkstatt, einst Vorzeigeobjekt der Kubanischen Revolution, in der jetzt drei Generationen miteinander zurecht kommen müssen. Geraldine Chaplin spielt in „Dolares de arena“ (Spotlight) aus der Dominikanischen Republik eine alternde Europäerin, die eine Liebesgeschichte mit einer jungen Dominikanerin hat.

ESCOBARPLMikaCotellon_AlamodeFilm1_700Benicio del Toro lehrt uns als schillernde Persönlichkeit Pablo Escobar das Fürchten in „Escobar: Paradise Lost„(Spotlight), das sich  von einer anfänglichen  Liebesgesschichte bis zum Thriller ausweitet.

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„Much Loved“

Kein Wunder, daß „Much Loved“ (International Independents) in Marokko auf den Index kam. Für die Marokkanische Gesellschaft darf es nicht sein, daß Frauen, die ihren Körper verkaufen, daran Freude finden und obendrein ihre Freiheit und Würde für sich bewahren, die ihnen diese verweigert.

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Ben Stiller und Naomi Watts in „Gefühlt Mitte Zwanzig“

Komödienliebhaber kommen nicht zu kurz mit der Beziehungskomödie „Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach mit Ben Stiller und Naomi Watts, Broadway Therapy“ von Peter Bogdanovich und dem komplett durchgeknallten „Men & Chicken“ mit Mads Mikkelsen.

179 Deutschlandpremieren aus 54 Ländern präsentiert das Filmfest München. Alexander Payne, Rupert Everett und Jean Jacques Annaud zeigen als Ehrengäste ihre Filme.  In Kooperation mit dem Museum Brandhorst wird Andy Warhol mit der Ausstellung Yes!Yes!Yes! Warholmania und zahlreichen Filmen geehrt.

15! Preise werden verliehen, die Open Air Reihe hat dieses Jahr das Thema Swing, bei dem auf den öffentlichen Partys auch das Tanzbein geschwungen werden kann.

Alle Infos unter www.filmfest-muenchen.de

Film- oder Fußballfieber, keine Frage auf dem Filmfest München 2014

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Eine talentierte Entdeckung aus „Die Karte meiner Träume“: Hauptdarsteller Kyle Catlett Foto Filmfest

Der fußballaffine Cinéast mußte tapfer sein auf dem diesjährigen Filmfest München.  Parallelen zwischen Film und Fußball gibt es genug, die Dramaturgie muß stimmen, sonst langweilt sich der Zuschauer!   Bisher zeigte die WM in Brasilien Herzattacken-verdächtiges Dramapotential, da müssen die Filme erstmal mithalten.

Regisseur Jean-Pierre Jeunet eröffnete das Filmfest mit seinem Film Die Karte meiner Träume“.  Mit dem Vater, einem Spät-Cowboy,  der Insekten- verrrückten Mutter, herrlich skurril gespielt von Helena Bonham-Carter und seiner Schwester, die von Schönheits-Wettbewerben träumt, lebt der hochbegabte, zehnjährige T.S. Spivet auf einer abgelegenen Farm in Montana. Wissenschaftliche Experimente gehören zu seiner Leidenschaft.  Als er plötzlich nach Washington zum Smithsonian Institut eingeladen wird, um einen Preis für seine Erfindung zu erhalten, begibt er sich heimlich per Zug auf eine abenteuerliche Reise.  G.H. Gibson vom Smithsonian, gierig gespielt von Judy Davis, wittert sogleich enorme Publicity, als sie erfährt, daß der Preisträger noch so jung ist.   Da hat sie aber nicht mit seiner Familie gerechnet! Ein wunderbarer Film zum Träumen.

Beim anschließenden Eröffnungs-Empfang

Der Eröffnungsempfang im Bayerischen Hof open air
Open Air- Eröffnungsempfang im Bayerischen Hof Foto by DK

fehlten weder Jean-Pierre Jeunet noch seine Entdeckung Kyle Catlett, um mit der fast vollständig versammelten Filmbranche open air zu feiern, als die Decke des Festsaals im Bayerischen Hof  sich wie durch ein Wunder öffnete.

Am nächsten Tag ging der Party-Marathon weiter mit dem Sommerfest der Agenturen zum Brunch im H´ugos.  Abends lud die Ufa Fiction  in die Reitschule zum Networking, während auf der Praterinsel schon beim Director´s Cut das Tanzbein geschwungen wurde.  Zwei Tage später beiMovie meets Mediaim P1 war WM- vorgesorgt, die gutgelaunten  Gäste  fieberten und zitterten bei Deutschland gegen Algerien mit und stürmten anschließend die Tanzfläche. So versäumten sie das jetzt schon legendäre Interview mit Mertesacker.

Auch bei dem auf 158 Filme erschlankten Programm fiel die Auswahl schwer. “Gergiev: a certain madness” dokumentiert die Konzert-Reise vom wegen seiner Nähe zu Putin umstrittenen, zukünftigen Dirigenten der Münchner Philharmoniker Gergiev, durch die Russische Provinz mit der Transsibirischen Eisenbahn. Schweiß strömt von seinem Gesicht, wenn er ganz mit der Musik versunken, dirigiert. Einer seiner Freunde erzählt, bei ihm ginge es in der Musik um Leben und Tod.  Ein Faszinierendes Portrait des Musik-Beserkers.

Udo Kier freute sich so sehr als über seinen Cine Merit Award, daß er bis morgens um vier im Bayerischen Hof feierte.

Udo, Diana Iljine und Gäste feierten im Bayerischen Hof
Udo, Diana Iljine und Gäste feierten im Bayerischen Hof Foto Filmfest

Unter anderen stellte er auch seinen Film „Tod eines Weltstars“ von Christoph Schlingensief vor, eine komplett-durchgeknallte Satire auf den Starruhm, der umso größer wird, wenn der Protagonist tot ist oder so tut.  Die schwindelerregende Kamera gleicht einer Achterbahnfahrt, nur unschärfer.

Unterhaltsamer waren Udo Kier `s Anekdoten. Während der Berlinale besuchte er die übervolle Paris Bar, in der sich tous le monde der Filmbranche trifft und entdeckte Schlingensief mit der damals  jungen Tilda Swinton. Er wollte sich zu ihnen gesellen, da der Lärmpegel alles übertönte, unterhielten sie sich zu dritt unter dem Tisch weiter.

Im Special Sreening wurde das Spätwerk von Meisterregisseur Billy Wilder „Fedora“

Marthe Keller und Henry Fonda
Marthe Keller und Henry Fonda

gezeigt, eine düstere Parabel auf den Preis des Ruhms und was mancher dafür opfern würde. Marthe Keller spielt die Fedora und William Holden einen Filmproduzenten, der sie für seinen Film engagieren möchte. Unwillkürlich erinnert er an Wilder´s Meisterwerk „Sunset Boulevard“ über verblaßten Starruhm mit Goria Swanson als Leinwand-Legende und William Holden als armen Schriftsteller, der bei ihr einzieht.

In „Swan Song:the Story of Billy Wilder´s Fedora“ zeigt Regisseur Robert Fischer, wieviel Schwierigkeiten Wilder hatte, den Film, der in den Bavaria Film Studios gedreht wurde, zu produzieren.

Sehr amüsant erzählt Regisseur Jan Martin Scharf in “Dessau

Performance vor der „Dessau Dancers “ Vorführung Foto DK

Dancers” von Jugentlichen1985 in Dessau, die den Breakdance für sich entdecken.  In der Öffentlichkeit! Das paßt den Apparatschicks gar nicht und sie versuchen mit allen Mitteln, sie zum organisierten “Schautanz” mit allen Vorteilen zu bewegen. Dann können sie nicht mehr verhaftet werden.  Da müssen grundlegende Enscheidungen getroffen werden.  Eine interessante Studie über Freiheit und ihren Preis!

Apropos Preise, diese wurden zahlreich vergeben auf dem Filmfest München. Den Förderpreis Deutsches Kino Regie gewann “Shoppen” Regisseur Ralf Westhoff für “Wir sind die Neuen”,

Regisseur Ralf Westhoff mit seinen „Wir sind die Neuen“ Darstellern Foto Filmfest

eine schräge Komödie über die  Ex- und wieder WG-Bewohner  Heiner Lauterbach, Gisela Schneeberger und Michael Wittenborn und ihre spießigen, jungen Nachbarn, die ob des WG Lärms nebenan verzweifeln, da der Prüfungsstress sie fertigmacht. Amüsant und überrraschend entwickelt sich die Geschichte anders als man denkt.

Den Publikumspreis gewann die gesellschaftskritisch-politische Komödie “Ein Geschenk der Götter” vom Münchner Oliver Haffner. Eine arbeitslose Schauspielerin muß zur Selbsterfahrung einen Theaterworkshop für 10 ebenfalls Arbeitslose geben und studiert, begleitet von viel Chaos, “Antigone” mit ihnen ein. Der Produzent Ingo Fliess wurde mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet.

Für seinen bewegenden Film „Das Salz der Erde“ erhielt Wim Wenders den One Future Preis. Er porträtiert sensibel den Brasilianischen Fotojournalisten Sebastiao Salgado, der für seine Projekte die Brennpunkte der Welt bereiste, das unvorstellbare Elend in der Sahelzone oder den Genozid in Ruanda dokumentierte, bis er davon krank wurde, sich auf die noch verbliebene Schönheit der Erde konzentrierte und sein „Tribute-to-the-Earth-Project “ Genesis gründete. Auf der Brasilianischen Ranch der Familie wird der zerstörte Regenwald nach un nach wieder aufgeforstet. Film- oder Fußballfieber, keine Frage auf dem Filmfest München 2014 weiterlesen

Kino- und Partysucht auf dem Filmfest Muenchen

Kino- und Partysucht auf dem Filmfest Muenchen

Hochprozentige Kino- und Partysucht unter einen Hut zu bekommen gehörte beim 31. Münchner Filmfest zu den größten Herausforderungen. Ugo Crocamo, dessen Crew unzählige Pizza´s bei „Movie meets Media“ im P1 frisch vor den Gästen zubereitete, machte gar durch. Am nächsten Mittag warteten bereits die Gäste des ZDF-Empfangs mit Champagner bewaffnet im H´ugos auf die berühmte Gundlage für weitere Festivitäten.

Am selben Abend lud die Bavaria Film Produzenen, Schauspieler und Casting-Agenten in´s Künstlerhaus. Anschließend war die Qual der Wahl, Indie-Party oder Vernissage des Verbrechens beim Shocking Shorts Award in der Galerie der Künstler, schnell entschieden. Gerne lassen sich die Gäste von gruselig umgestalteten Locations überraschen, wie immer originell organisiert von G.R.A.L. So wurden die Laudatoren in berühmten Gemälden wie Nadeshda Brenneke als Mona Lisa oder Leander Hausmann als Rembrand verewigt.

200 Nachwuchsregisseure hofften mit ihren Kurzfilmen aus Crime, Thriller, Horror und Mystery auf den begehrten Preis. Regisseur Leander Haußmann überreichte den heißumkämpften Award an Murat Eyüp-Gönültas mit „Honeymoon Hotel“, der dem Nachwuchsregisseur die Teilnahme am „Universal Filmmasters Program“ in Hollywood beschert.

Zur Jury des 14. Shocking Shorts Award zählten Regisseur Leander Haußmann, die Schauspielerinnen Anna Thalbach, Lisa Maria Potthoff und Nadeshda Brennicke sowie Herbert L. Kloiber, der Geschäftsführer der Tele München Gruppe, Kinopolis Moderatorin Aline von Drateln und Jonathan Bennett (Universal Networks International Germany). Anschließend wurde mit dem Münchner „The Duke“ Gin, der auf fast keiner Party fehlte und den Kopf am nächsten Morgen schont, gefeiert bis in den frühen Morgen.

In dem Angebot von über 170 Filmen des Filmfests nicht die Übersicht zu verlieren, fiel schwer, zumal die Sektionen aufgeweicht waren. So mußte fast das gesamte Programm umständlich duchgearbeitet werden.

Eine Entdeckung war die spannende Dokumentation „Der Blinde Fleck“ von Daniel Harrich über die dilettantischen Ermittlungen und Vertuschungen beim Oktoberfest Attentat 1980 in München. Der Journalist Ulrich Chaussey deckt einen unfaßbaren Skandal auf, als er erfährt, daß Zeugen nicht angehört wurden und wichtige Indizien aus der Asservatenkammer verschwanden oder vernichtet wurden. Der Film erhielt wie Mira Nair ´s „The Reluctant Fundamentalist“ über einen Pakistanischen Professor, der nach den Anschlägen des 11. September 1001 verdächtigt wird und in sein Heimatland zurückkehrt, wo er auch dort mit Extremismus zu kämpfen hat, den Friedenspreis Die Brücke, den Bernhard Wicki Filmpreis. Jetzt wollen die Behörden die Ermittlungen wieder aufnehmen. Wir sind gespannt!

Letzten Freitag wurde der mit 70000 € am höchsten dotierte Förderpreis des deutschen Films, gesponsert von der DZ-Bank, Bavaria Film und dem Bayerischen Rundfunk vergeben. Die Jury, bestehend aus Schauspielerin Bibiana Beglau, Gerhard Meixner und Angelina Maccarone entschieden sich in allen! Katagorien für „Love Steaks“. Befremdlich, als die „Drehbuchschreiber“ bei der Verleihung zugaben, keines gehabt zu haben.

Kein Wunder, daß bei dem Empfang im BMW-Museum keine rechte Stimmung aufkommen wollte, obwohl Hof-Festival Chef Heinz Badewitz die Münchner Filmfest Chefin Diana Iljine schwungvoll über´s Parkett führte.

Filmfest-Impressionen, Bavaria-Empfang, Shocking Shorts Party, Laudatoren bei der Venissage des Grauens...
Filmfest-Impressionen, Bavaria-Empfang, Shocking Shorts Party, Laudatoren bei der Venissage des Grauens...
bei der Vernissage des Grauens des Shocking Shorts Award

Halbzeit beim Filmfest München: Filme & Feiern satt!

24 Stunden pro Tag oder Nacht reichen nicht, um auch nur annähernd alle interessanten Filme und Empfänge zu erleben. Also ist fokussieren angesagt!

Fulminant eröffnete Caroline Links Film „Exit Marrakesh das Filmfest München 2013. Ulrich Tukur spielt den egomanischen Theaterregisseur, der in Marokko von seinem enfremdeten Sohn, gespielt von Samuel Schneider (eine Entdeckung!) auf seiner Tournee besucht wird. Der Vater meint, alles Interessante vom Land zu kennen und liest lieber Paul Bowles am Pool, während der Sohn sich durch die Straßen treiben läßt. Fast zwei Stunden dauert es, bis sich beide annähern, während sie durch die atemberaubend schöne Landschaft Marokkos fahren.

Au Bout du Conte“ vom Erfolgsautorenduo Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri erzählen von Surrealismus und Realismus im Leben und Liebesdingen. Bacri spielt den schrulligen Fahrlehrer, dem mulmig wird, je näher der von einer Hellseherin vorausgesagte Todeszeitpunkt kommt. Seine unsichere Schülerin, Agnes Jaoui, schlägt vor, an dem Tag lieber nicht zu fahren. Es kommt jedoch ganz anders, als man denkt. Herrlich skurrile Wendungen gepaart mit witzigen, spritzigen Dialogen bringen den Kreislauf in Schwung wie Champagner!

Extrem anders die meditative Blut-Symphonie auf Acid „Only God Forgives. Ob dieser die scheinbar emotionslose Brutalität vergeben kann, ist fraglich. „Drive“ Regisseur Nikolas Winding Refn meinte vor dem Film, immer dieselben Filme zu machen ist wie dieselben Drogen zu nehmen: irgendwann wirkt es nicht mehr. Welche Drogen beim Dreh im Spiel waren, ist nicht bekannt. Die in warmes Blut-rot getauchten Zeitlupenbilder, kaum Dialoge, während das Blut spritzt, wirken wie aus einer unwirklichen, drogengeschwängerten Welt. Ob der Film auf Drogen eher zu ertragen ist?

In der Realität ist seine geliebte Frau gestorben, aber sie erscheint dem einsamen Mr. Morgan, zurückgenommen fantastisch gespielt von Michael Caine, in Sandra Nettelbecks Film „Mr. Morgan´s last Love“ immer wieder. Sie wollte ihm in beider Wahlheimat Paris Französisch beibringen und sagt: J´ai faim (ich habe Hunger) worauf er antwortet: Je t´aime. Zufällig lernt er die junge Französin Pauline, wunderbar gespielt von Clemence Poésie, kennen. Auch sie fühlt sich einsam, seitdem sie ihre Eltern verloren hat. Als er einen Selbstmordversuch unternimmt, tauchen seine Kinder aus den USA auf. Seine Tochter reist bald wieder ab, nicht ohne Shoppen gegangen zu sein. Sein Sohn schafft es langsam, seine Konflikte mit seinem Vater zu lösen mit überrraschendem Ende.

Eine Party folgt der anderen, Filme schauen wird für manch einen zur Nebensache. Nach dem Eröffnungempfang im Bayerischen Hof, dem Director´s Cut am Samstag und dem Burgemeister-Preis mit exzellentem Flying Buffet am Sonntag folgte am Montag „Movie meets Media“ im P1. Wer an der hyper-strengen Gästeliste nicht scheiterte, konnte sich mit H´ugo´s leckerer Pizza und hervorragenden Cocktails stärken. Müller Milch Mixgetränke sowie Knack- beziehungsweise Currywurst by Volkswagen boten die Sponsoren an, wovon man lieber die Finger lassen sollte, wenn man nicht auf Magenverstimmung steht. Dagegen stieg die Stimmung auf der Tanzfläche trotz bescheidener Anzahl der Tänzer. Nach Mitternacht hatten einige immer noch Anzug und Kravatte an, so fragte ich, ob sie Bänker oder Security waren? Nein es handelte sich um junge Produzenten, die besonders seriös wirken wollten.

Ryan Gosling in "Only God forgives", Michael Caine, Samuel Schneider aus "Exit Marrakech"Ryan Gosling in "Only God forgives", Michael Caine, Samuel Schneider aus "Exit Marrakech"Ryan Gosling in "Only God forgives", Michael Caine, Samuel Schneider aus "Exit Marrakech"

Ryan Gosling in „Only God forgives“, Michael Caine, Samuel Schneider aus „Exit Marrakech“