Boarding komplett hieß es auf dem Münchner Flughafen, als ich ein merkwürdig prasselndes Geräusch bemerkte und nach rechts blickte. Feuer war mein erster Gedanke, denn auf der Tragfläche glühte es rot und dampfte. Aus der Mitte des Flugzeugs konnte ich nicht sehen, ob es ein Flammen- oder Wasserwerfer war, der hin- und herfuhr, da die Tragfläche mit Dampf und Fauchen reagierte, sobald er auf sie traf. Es war eine Enteisungsmaschine; die brauchte ich auch nach dem nicht endenwollenden, eisigen Winter, daher wollte ich mich in Thailand auf einer nicht so bekannten Insel aufwärmen.
Im Phuket Airport angekommen, fragte ich mich bei der Passportkontrolle, wieviel Kreuzfahrtschiffe angelegt hatten, so ein Massenandrang herrschte. Der Flughafenbus brauchte wegen des horrenden Verkehrs ewig nach Phuket Town. Die Schaffnerin fand heraus, dass mein Hotel ganz woanders lag, und ich versuchte, mit Hilfe der Mitarbiter eines mexikanischen Restaruants ein Bolt-Motortaxi zu bekommen, normale Taxis würden ab 8 Uhr abends nicht mehr fahren. Es klappte und ich fiel todmüde in´s Bett. Am nächsten Morgen half mir die Rezeptionistin, ein Motortaxi zum Bootspier zu bekommen. Ich musste mich erst an das Links-Fahren gewöhnen, so bemerkte ich zu spät, dass wir in die falsche Richtung rasten. Nachdem der Motorradfahrer mit Höchstgeschwindigkeit noch zweimal zum falschen Anleger die ganze insel wieder hinauffuhr, fürchtete ich um meine Gesundheit, da ich weder einen Helm hatte, noch die Geschwindigkeitsanzeige funktionierte. Wie ein Wunder heil angekommen, fuhr gerade ein Speedboat nach Ko Yao Noi.

Eine vom Massentourismus unverdorbene Insel begrüßte mich. Ich wanderte einen Hügel hinauf zu einem Strand, wo ich nur auf eine andere Reisende traf. Am späten Nachmittag, der Himmel war bedeckt und eine leichte Brise kühlte, spazierte ich auf dem Watt zu einer Insel in den Sonnenuntergang. Per Rad erkundete ich einen anderen Strand, auch der war nur von ein paar Sonnenanbetern belegt. Gerade hatte ich mich an ein normales Dorfleben der Einheimischen und das entspanne Flair gewöhnt, musste ich schweren Herzens abreisen, da kein Schlafplatz auf der Insel mehr frei war.

Mit blieb nichts anderes übrig, als eine andere Insel zu finden und ich entschied mich für Ko Lanta, wo ich in einem mir bekannten Resort am Strand unterkam.

Seit drei Jahren war ich nicht mehr da gewesen und wunderte mich über noch mehr Touristenmassen, obwohl die Preise sich verdoppelt oder verdreifacht hatten. Abschreckend viel Verkehr, Lärm und Abgase brachten mich dazu, so schnell wie möglich in einen Nationalpark zu fliehen, um frische Luft zu schnappen.

In Kao Sok reihten sich Hotels, Restaurants und Minibusse an der Hauptstaße, an deren Ende der Natonalpark beginnt. Auf dem Wanderpfad zu den Wasserfällen überholte ich immer wieder Gruppen mit lauten Guides, um die Natur genießen zu können. Außer Makaken-Affen, die auf Futter hofften, waren sicher alle Tiere geflohen. Im Fluss konnte ich mich köstlich erfrischen. Nach dem dritten Wasserfall befand sich auf dem Weg eine verschlossene Tür, die nur mit Guide zu öffnen war. Ich wanderte zurück und fand am Eingang einen Weg, der über unendlich viele Treppen durch den Dschungel führte. Das war sicher der Grund, warum hier niemand außer mir unterwegs war.

Der Klimawandel hat die Meere so aufgeheizt, dass die meisten Korallen gestorben sind. Vor 25 Jahren konnte ich in Ko Tao traumhaft schnorcheln und sogar Haie sehen, ob das noch möglich war? Der schmale Weg am zugebauten Strand entlang von Ko Tao war gesäumt von überteuerten Restaurants, ausgebuchten Hotels, Touranbietern; und natürlich mussten sich Motorräder zwischen die Fußgänger quetschen. Ich probierte die nächstgelegene Schnorchelgelegenheit und konnte Fische und ein paar Korallen sehen. Am nächsten Tag wanderte ich eine halbe Stunde neben lautem, abgasschwangeren Verkehr entlang zu einer Bucht, in der Schildkröten herumschwimmen sollen.

Schnorcheln kam wegen zu viel Wind und hoher Wellen nicht in Frage. Ich wich auf einen Dschungelpfad aus und landete an einem eleganten Resort, an dessen Strand ich mich endlich erfrischen konnte. Am Tag darauf fiel das Unterwasserschwimmen aus, da das Wasser zu trüb war. Ein weiterer Grund, die Insel so schnell wie möglich wegen dem Khao Sam Roi Yot Nationalpark zu verlassen.

Öffentliche Verkehrsmittel gab es nicht, so nahm ich den mit altmodischen Holzsitzen ausgestattenen Zug mit einheimischem Ambiente bis zum nächstmöglichen Ort und versuchte von dort ein Taxi zu bekomnmen. An Touristenorten belästigen diese einen unentwegt, wenn ich sie mal brauche, ist keins auffindbar. Nur eine Motorradfahrerin war bereit, mich zum Strand zu bringen, der dem Park am nächsten war. Der Strand ist zu flach zum Schwimmen und Touren zum Kuiburipark mit seinen wilden Elefanten und zum gebirgigen Khao Sam Roi Yot Nationalpark gab es gerade nicht.

Per Drahtesel schaffte ich es an dem Eingang des Kao Sam Roi Yot Park vorbei zu eine der Höhlen, bis mir der Schweiß in Strömen herunterlief. Die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne knallte herunter, daher verzichtete ich auf Ausflüge zu den anderen Höhlen.

In Bangkok angekommen, nahm ich einen Bus zur grünen Lunge Bangkoks, Bang Krachao, eine Landzunge am Chao Phraya Fluss. Eine Stunde schlängelte sich der Bus mit offenen Fenstern, da er nicht klimatisiert war, durch den Verkehr. So kamen wir Fahrgäste in den Genuss, die Abgase einzuatmen, ein kostenloses Angebot überall in Thailand.

Am Pier von Bang Krachao erwartete uns ein riesiges Angebot von Leihfahhrädern, ich schnappte mir eins und fuhr auf´s gratewohl los. Von einem früheren Besuch erinnerte ich mich an schmale Wege mit nur einem Geländer an einer Seite, jetzt war ich auf einer Straße mit Autoverkehr und verirrte mich erstmal, bevor ich die Pfade über dem Dschungel wiederfand. Konzentriertes Radfahren war lebensnotwendig, um nicht vom rechten Wege abzukommen und im Urwaldsumpf zu enden!

Nach zwei wundervollen Abenden in den Jazzclubs Brown Sugar und im The Saxophone, wo eine kubanische Band einheizte, erfuhr ich am nächsten Tag, dass mein Flug mit Etihad Airways storniert war. Online wurden mir nur Flüge über Doha angeboten, das auch im Mittleren Osten liegt. Merkwürdig, dass diese trotzdem gekauft werden konnten. Ich begab mich in ein Reisebüro und bekam nach zwei Stunden suchen einen ewig langen, teuren Business- Flug über Peking über Mailand und Frankfurt.
