Wetter-Thriller und leidenschaftliche Klassik am Odeonsplatz

Von soviel Dramatik kann so mancher Filmregisseur nur tr├Ąumen! Letzten Samstag am Odeonsplatz hatte sich Wettergott Petrus gegen 18:30 etwas beruhigt und lie├č den blauen Himmel durchblicken. Pl├Âtzlich, wie von Geisterhand, tauchten schwarze Wolken auf, entluden sich prasselnd und lie├čen den Platz innerhalb k├╝rzester Zeit unter Wasser stehen.


Foto: Marcus Schlaf

Die mit Extra-Zelten ├╝berdachten Musiker in der Feldherrenhalle waren nicht mehr so gut zu sehen, aber um 20:30 hatte Petrus etwas versp├Ątet ein Einsehen und Alan Gilbert dirigierte auch das letzte Nieseln davon mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Pjotr Iljitsch Tschaikowskis wundervollen Lyrischen Szenen aus Onegin. Entspannt und fast trocken lauschten dann 8000 Zuschauer dem herrlich cremigen Sopran Rene├ę Flemings mt George Gershwins „Summertime“ und Leonard Bernstens „Lonely Town“.

Dirigent Alan Gilbert und Sopranistin Rene├ę Fleming Foto: Marcus Schlaf

Klasse hatte auch nach der Pause die von Alan Gilbert perfekt-dramatisierte Symphonie Nr. 5 von Tschaikowski inklusive dem Solo-Hornisten Eric Therwilliger mit einem sehr ├╝berzeugenden Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Auch am Sonntag erinnerten ein paar Schauer an den vorherigen Abend, aber diesmal f├╝hrte Dirigent Valery Gergiev p├╝nklich um 8 Uhr die M├╝nchner Philharmoniker mit „Corolian“ in den Beethoven-Abend ein. Star-Pianist Daniil Trifonov, spielte leidenschaftlich,┬á das Gesicht von Vollbart und wehenden Haaren fast verborgen, v├Âllig in der Musik versunken, Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 und wurde frenetisch daf├╝r gefeiert. Er bedankte sich mit dem virtuosen „Die Jagd“ aus der Klaviertsonate C-Dur, Opus 31.

Daniil Trifonov und Dirigent Valery Gergiev Foto: Marcus Schlaf

Nach der Pause vollendete Gergiev mit den Münchner Philharmonikern den Abend  mit der schwierigsten von Beethoven´s Symphonien, der Fünften, mit Schwung und Tempo, bravo!

 

Herz-zerrei├čende Filme, Sternstunden mit Antonio & die Kinokarten-Odyssee

├ťber 30 Grad war die perfekte Temperatur, um sich bei tollen Filmen auf dem 37. Filmfest M├╝nchen in den Kinos abzuk├╝hlen. Anschlie├čend oder zwischendurch tauchte die Frage auf, welcher Empfang oder welche Party eignet sich am besten zum kommunikativen Austausch? Bei 150 Rahmenveranstaltungen fiel die Wahl schwer. Mein Vorschlag, im n├Ąchsten Jahr statt in Schwei├č, in der Isar zu baden und die Empf├Ąnge dorthin zu verlegen, kam bei den G├Ąsten gut an.

Foto: DK

Zu den sch├Ânsten geh├Ârte die 100 Jahr-Feier der Bavaria Film. Nach dramaturgisch gesehen eher langwierigen Ansprachen in der neu-getauften Wolfgang Peterson-Halle enspannten sich die G├Ąste in den Garten-Lounges und genossen leckere Gourmetgen├╝sse. Am meisten faszinierten mich die Bilder der weltber├╝hmten Schauspieler und Regisseure wie Billie Wilder, Kirk Douglas, , Gregory Peck und Robert Redford, die hier gedreht hatten.┬á Steve McQueen sauste mit dem Motorrad durch┬┤s Gel├Ąnde, Liza Minelli stand f├╝r „Cabaret“ vor der Kamera. Die beste Party zum Abtanzen war nat├╝rlich die Something Stupid Party in den Eisbachstudios.

Corinna Harfouch als Lara und Tom Schilling als ihr Sohn

Fast jeden Tag wurde ein Preis verliehen, der h├Âchstdotierte war der F├Ârderpreis Neues Deutsches Kino f├╝r die beste Regie. ├ťber 30000 ÔéČ┬á f├╝r „Lara“ ┬á freute sich Jan-Ole Gerster. Die wunderbare Corinna Harfouch spielt die schwierige Lara, Tom Schilling ihren Sohn, der als Pianist den Erfolg hat, den sie selbst gerne gehabt h├Ątte. Lara kommt am 7.11.19 in die Kinos. Er bekam auch den Fipresci-Preis.

Olgulcan Arman Uslu und Anne Ratte-Polle aus „Es gilt das gesprochene Wort“

Olgulcan Arman Uslu ├╝berzeugte die Jury mit seinem sensiblen Spiel in „Es gilt das gesprochene Wort„, wof├╝r er den Schauspielpreis erhielt. Nils Mohl und Ilka Catak erhielten den Drehbuchpreis f├╝r denselben Film mit einem XY-ungel├Âstem Ende.┬á Am 1.08.19 ist er im Kino zu sehen.

Produzent Martin Lischke verriet bei der Preiseverleihung f├╝r seinen Film „Leif in Concert“ ├╝ber den Mikrokosmos in einer multikulturellen Kneipe, das er mit den 20000 ÔéČ erstmal seine Produktions-Schulden abzahlen wird.

Bacurau

A Vida invisivel de Euridice Gusmao“, ein wundervoller, Herz-zerrei├čender Film aus Brasilien ├╝ber zwei unterschiedliche, sich sehr nahestehenden Schwestern, die sich nicht wiedersehen k├Ânnen, da ihr Vater und der Ehemann einer Schwester dies verhindert, verdiente sich den neu-erfundenen Co-Produzenten-Preis. Er ging an Michael Weber und Fiona F├╝ge. Der Arri-Osram-Award ging an den erschreckenden Film „Bacurau“ von Kleber Mendonza Filho und Juliano Dornelles, der von einem Dorf in der Zukunft spielt, das von einer rassistischen Bande ├╝berfallen wird; eine Allegorie auf das aktuelle Geschehen in der Welt.

Dokumentarfilmerin Waad Al Kateab

Cannes-Sieger „For Sama“ von Waad al-Kateab and Edward Watts, eine absolut sehenswerte Dokumentation ├╝ber die furchtbare Realit├Ąt in Syriens Krieg, w├Ąhlten die Zuschauer trotz Szenen, bei denen einem das Herz stehen zu bleiben droht, zu ihrem Bayern 2 und SZ-Publikumspreis. Das hat Klasse und ist sehr empfehlenswert!

Antonio Banderas bezauberte alle in der Black Box mit seinem selbstironischen Humor und Charme. Er erz├Ąhlte, wie ihn Pedro Almodovar im Theater ansprach, weil er ein romantisches Gesicht habe. Er mag alle seine Filme, sie sind wie seine Kinder, manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, wie Pain & Glory, sein neuester Film von Pedro Almodovar. Selfie-Schie├čen geh├Ârt f├╝r ihn in eine Welt narzisstischer Zombies.

70000 Zuschauer fanden dieses Jahr in die Filmfestkinos, 10000 weniger als im letzten Jahr. Ob das wohl an der umst├Ąndlichen, nur gelegentlich funktionierenden Kartenbeschaffung per Internet lag? Wenig Laune brachte es akkreditierten Fachbesuchern, erst im City-Kino die Pressevorf├╝hrungen anzuschauen, anschlie├čend in den Gasteig tigern zu m├╝ssen, um weitere Karten zu bekommen und gegebenenfalls weiter in┬┤s n├Ąchste Kino zu radeln.┬á So war nicht nur ich mehr auf dem Fahrrad unterwegs als im Kino; wenn ich 5 Minuten zu sp├Ąt dran war, auch vergeblich. Ob es 2020 besser wird? Warten wir┬┤s ab…

 

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