Ein Klassisch schönes Sommer-Wochenende am Odeonsplatz

Einige Gäste beim Klassik am Odeonsplatz fragten sich doch tatsächlich, warum Klassik am Odeonsplatz statt Samstag, Sonntag in diesem Jahr am Freitag und Samstag stattfand? Nur auf einer medienlosen, einsamen Insel würde man und frau vom Fußball verschont werden.  Wenn am Sonntag WM-Endspiel ist, kann kein Klassik am Odoensplatz stattfinden!

Diana Damrau und Dirigent Cristian Macelaru

Freitags, in einer herrlich warmen Sommernacht, startete das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Leonard Bernsteins „Candide“ ein bißchen zu schmissig. Sopran-Artistin Diana Damrau bezauberte als Manon von Jules Massenet mit leider nur zwei Arien. Anschießend schläferte das Orchester unter der Leitung von Cristian Maceraru uns mit Eric Sarie´s Gymnopédie ein wenig ein, bevor es mit Chares Gounot und Antonin Dvorák eher schwermütig weiterging.

Klassik am Odeonsplatz, Foto: Marcus Schlaf, 14.07.2018

Der Samstag bescherte einen kurzen Platzregen, um pünktlich zum Konzertbeginn alles Staubige vom Odeonplatz zu wischen. Der Abend blieb trocken und der Peruanische Tenor Juan Diego Flores eroberte feurig die Zuschauer-Herzen, hervorragend begleitet von Valery Gergievs Münchner Philharmonikern, mit seinen Weltschmerz-Arien aus „Werther“, als Chevalier Des Grieux in „Manon“ und als Edgardo aus „Lucia de Lammermoor“ und erwärmte mit Verdis „I Lombardi“. Den Höhepunkt der Begeisterung entfachte er als Zugabe mit Luciano Pavarottis WM-Hymne von 1990 „Nessun dorma“.

Latino-Leidenschaft mit Juan Diego Flores Foto: Marcus Schlaf, 14.07.2018

Nach der Pause versetzten uns die Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Valery Gergiev in  Scheherazade´s  Träume von Nikolaj Rimskij-Korsakw, wunderbar! Noch am Abend flog der Dirigent nach Moskau zum WM-Finale und konnte so die Gäste im VIP-Zelt nicht mit seiner Anwesenheit erfreuen, genauso wenig wie Juan Diego Flores, schade!

Aber im nächsten Jahr können wir uns auf René Fleming und Pianist Daniil Trifinow freuen!

Alle Fotos: Marcus Schlaf

 

 

Preisregen, Sonne satt und Filmtips beim Filmfest München

So viele Filme, nur 10 Tage Zeit; Flügel müsste man haben, dachte ich mir, mit dem Rad von einem zum anderen Kino rasend.  Die CSU hat die Lösung, wie schon Stoiber mit seinem „Transrapid“: sie will ein Flugtaxi bauen, um die Staus zu umgehen. Ob die Staus in der Luft nicht viel gefährlicher sind?

die wunderbaren Franz Dinda und Sahin Eryilmaz in Ronny & Klaid
Foto: Filmfest

Da ging ich lieber in den  Film „Ronny & Klaid“ aus der Reihe Spotlight. Ronny und Klaid betreiben einen wenig erfolgreichen Laden. Klaid versucht sich beim Glücksspiel, gewinnt und verliert wieder alles. Jetzt muss er seine Schulden beim Gangsterboss zurückzahlen. Jeder zehnte Deutsche ist ein Millionär? Dann müssen sie nur 10 Kunden aus ihrem Laden entführen! Irrwitzige Dialoge und überrraschende Wendungen lassen einen schlapplachen. Leider steht ein Kinostart noch nicht fest.

Welcome to Sodom
Foto: Filmfest

Ein sehr wichtiger Film ist „Welcome to Sodom“ über die größte Müllhalde der Welt in Accra, Ghana, wo 6000 Menschen unter gesundheitsschädlichen Bedingungen unseren Elektromüll sortieren und entsorgen. Leider halten die Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes nur die Kamera auf das Geschehen, anstatt es zu kommentieren.  Er bekam eine lobende Erwähnung auf dem Filmfest. Beim Camino-Vereih startet der Film am 2.8.18 in die Kinos, anschauen!

Jede Menge Preise wurden verliehen, das Highlight war Schauspielerin und Drehbuchschreiberin Emma Thompson, die auf der Bühne ein Ständchen sang, als sie mit dem CineMerit Award geehrt wurde.

Auch Filmfest-Wiederholungsgast Terry Gilliam wurde mit dem CineMerit Award ausgezeichnet, der gutgelaunt seinen neuen Film „The man who killed Don Quijote“ vorstellte, dessen Fertigstellung über 20 Jahre dauerte. Witzig und ungewöhnlich mit vielen Überraschungen ist er nur ein klein wenig zu lang. Am 27.9.18 kommt er in die Kinos.

SHOPLIFTERS
Foto: filmfest

Das humanistische Meisterwerk Shoplifters von Hirokazu Kore-eda begeisterte nicht nur die Jury aus Schauspielerin und Sängerin Meret Becker, Schauspielerin Amanda Plummer und Musiker Blixa Bargeld, die ihm den ARRI/Osram Award für den besten internationalen Film in der Reihe CineMasters vermachten. Die Goldene Palme von Cannes hat erschon. Hier wird die Familie aufgebrochen, Identitäten geändert, neue Moralvorstellungen entwickelt, die laut Jury Hoffnung geben.

Border
Foto: Filmfest

Der verstörende, ungeheuerliche Film „Border“ aus Dänemark von Ali Abbasi über die „anders-aussehende“ Protagonistin, die einen herausragenden Geruchssinn hat, mit dem sie sogar Angstschweiß riechen kann, erhielt den CineVision Award.

Alles ist gut“ von Eva Trobisch über sexuelle Gewalt und Nötigung, die die Betroffene einfach ignorieren möchte, gewann nicht nur den Firesci Preis des internationalen Kritikerverbandes, sondern auch den Fördepreis Neues Deutsches Kino für Beste Regie und Schauspielproduktion. Im Herbst 2018 ist er im Kino zu sehen, sehenswert!

Wackersdorf

Das Filmfest Publikum wählte „Wackersdorf“ von Oliver Haffner, die kritische Geschichte über die damaligen Vorkommnisse um die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, für den Publikumspreis aus. Hoffentlich bekommt er auch im Kino ab dem 20.9.18 genug Zuschauer!

Die Brücke“, den Friedenspreis des Deutschen Films, erhielten Ziad Doueiri für „The Insult“ (Regiepreis international),  Lars Kraume für „Das Schweigende Klassenzimmer“ (Regiepreis national) und Feras Fayyad für „Die letzten Männer von Aleppo“ (Spezialpreis), Katja Benrath (Nachwuchspreis) in „Watu Wote – All of us“ und Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds bekam Oliver Bodmer bei einer festlichen Gala im Cuvillée Theater.

Anna de Paoli freute sich über den Produzentenpreis für „A Young Man with High Potential“ und Damian John Harper über den Preis für das beste Drehbuch für „In the Middle of the River„.

Und ich freue mich auf das nächste Filmfest München in 2019!

Save the Date!