Archiv für den Monat: März 2015

Traumhafter Himalaya-Vorgeschmack

Massen von Trekkingtouristen, unter anderem durch Reinhold Messners Popularität und Jon Krakauers Buch Into Thin Air angezogen, haben Nepals Einwohner nicht verderben können, ein Lächeln mit Willkommensgruß bekommt jeder. Als mein Netbook beim Aufladen durch ständige Strom-Unterbrechungen zwei Tage lang streikte, meinte der nette junge Mann vom Internetcafé, nur keine Panik und machte es wie durch ein Wunder wieder lebendig.

Gerade habe ich es mir im Zimmer gemütlich gemacht und mein Buch vorgeholt, fällt der Strom und damit das Licht aus. Ein Wunder bei den Kabelverbindungen, daß es bei den Anschlüssen überhaupt Strom gibt! Kürzlich mußte der Kathmandu-Flughafen wegen Stromausfalls einen Tag geschlossen werden.

Stromkabel in Kathmandu
Stromkabel in Kathmandu

Heisses Duschwasser und Licht wird durch Sonnenkollektoren gespeist und ist trotzdem Glücksache, das free-of-trouble WiFi ebenso.

Bei der Aussicht auf den Himalaya waren alle Unwägbarkeiten vergessen! Der Französiche Israeli Mark, Ann aus Irland und ich ließen es langsam angehen und wanderten im Kathmandu-Tal von Sundarijal nach Chisopani. Spektakulär war der Weg nicht, Schulkinder und schwer mit Körben beladene Frauen begegneten uns, während Mark sich ständig beschwerte, daß ich zu schnell wanderte.

Proviant für unterwegs
Proviant für unterwegs

Er hielt bei jeder Ziege an, ich genoß die gute Luft frei von hupendem Verkehr. Als er darüber meckerte, daß sein Rucksack viel schwerer wäre als meiner, legte ich einen Zahn zu, um vom endlosen Geplapper befreit zu sein. Ann hatte auch bald die Nase voll und schloß sich mir an.

Auf dem Berg in Chisopani wurden wir mit einer fantasischen Aussicht auf die Bergketten belohnt.

IMG_0761Darauf genehmigten wir uns erstmal ein Everest-Bier.

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den Everest erklimmen dürfen andere!

Abends konnten wir Mark entkommen und wurden stattdessen von einem echten Gurkha zum Cognac eingeladen. Die berühmten Elite-Soldaten wurden um 1815 gegründet und kämpften für die Briten in Burma, Afghanistan, Bosnien oder gehörten zur Singapore Police Force und der Britischen Royal Guard.

 Die Abzeichen der verschiedenen Gurkha-Regimente, immer mit den traditionellen Gurkha-Messern
Die Abzeichen der verschiedenen Regimente, immer mit den traditionellen Gurkha-Messern

„Unser“ Gurkha war tätsächlich Security der Britischen Royals. Leider wollte er uns so gar keine Indiskretionen verraten. Falls Mark nochmal auftauchen sollte, würde ich meinen Gurkha rufen! Fast sieben Stunden brauchten wir den Weg hinunter nach Nargakot, für seine Aussicht bekannt, die uns diesmal wegen Dunst verwehrt blieb.

IMG_6313Zurück im abends frostigen Kathmandu wärmten wir uns erstmal mit diesem heißen, mit Senfkörnern gewürzten Millet-Bier auf.

freundliche Begegnungen im Dorf
freundliche Begegnungen im Dorf

Bandipur, ein Dorf mit Fußgängerzone, in der die Café-Gäste entspannt draußen sitzen können, lohnt sich für einen Zwischenstopp von Kathmandu nach Pokhara auf dem Weg zu den Trekks in´s Annapurna-Massif.

Das Sensationelle am nächsten Tag war die atemberaubende Aussicht vom naheliegenden Hügel auf die schneebedeckten Sechs- bis Siebentausender.

von links nach rechts Machhapuchhare 6993 m, Annapurna4 7525 m, Annapurna2 7937 m, Lamjung Himal 6966 m
von links nach rechts: Machhapuchhare 6993 m, Annapurna4, 7525 m, Annapurna2, 7937 m, Lamjung Himal 6966 m

Traditionelle Kulinarik auf Burmesisch

Vor 10 jahren noch hatte fast jeder Myanmar-Besucher regelmäßig Magenprobleme. Das hat sich erheblich verbessert. So traute ich mich, das traditionelle Buffet aus dem nordöstlichen Shanstaat zu probieren. Gemüse- und Fleischvariationen, die letzteren kommen nicht in Frage,  werden mit frischen grünen Salat-Zutaten serviert.  Dazu schmecken selbstgemachte Chutneys und Pickles unterschiedlicher Schärfe.

Am besten und günstigsten ist es im lokalen Einheimischen-Restaurant. Der Lärmempfindliche muß allerdings mit TV-Beschallung und wenig schmeichelhaftem Neon-Licht rechnen, in dem der Weißhäutige leichenblaß aussieht, an der Straßenbeleuchtung wird dagegen gerne gespart, sprich man tappt im Dunkeln.

IMG_0060Um die Schärfe und den Knoblauch etwas zu mildern, passen Kokosnußbonbons, süß-saure Tamarindbälle und Coffecandys  hervorragend.

Pot Pot mit Nudeln und Gemüse
scharfer Hot Pot mit Nudeln, Gemüse und frischem Koreander

Chinesische Restaurants sind sehr populär und es lohnt sich, ein gutes für den scharfen Hot Pot, ürsprünglich aus der Chinesischen Provinz Szechuan, zu geniessen.

Enteneisalat mit Gratissuppe
Enteneisalat mit Gratissuppe

Die authentische Küche probierte ich auf einem Night-Market, hier Enteneisalat mit Erdnüssen, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich, Karotten und Linsen, mmmhhh!

so wird er zubereitet
so wird der Enteneisalat zubereitet

Traditionell ist auch der Avocado-Salat aus der schwarzen Avocado mit viel Knoblauch, Zwiebeln und Tomaten zubereitet, manchmal auch als Guakamole.

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IMG_0200Wem nach vitaminreicher Erfrischung ist, kann die frischen Fruchtsalate direkt von den mobilen Damen kaufen!

Welcome to Kathmandu, Nepal

Nepal hat nicht nur sensationelle Bergwelten zu bieten.

Die Anreise kann bereits zum Abenteuer mutieren. Der Online Check-In bei Malaysia Airlines kannte meine E-Ticket Nummer nicht, dafür teilte mir die von www.lastminute.com für Fluginfos empfohlene tripcase Webseite mit, daß mein Weiterflug von Kuala Lumpur nach Kathmandu statt um 20:15 Uhr erst um 2 Uhr nachts starten würde. Am Bangkoker Flughafen erfuhr ich, daß dieser rechtzeitig losfliegen, dafür der Bangkok-Kuala Lumpur Flug 1 ½ Stunden später abheben wird. Prompt verpaßte ich meinen Anschlußflug. Am Ticketschalter wurde mir ein Flug am nächsten Tag angeboten, der nächste um 23 Uhr wäre ausgebucht. Nach Konsultierung des Managers bekam ich sofort ein Business Class Ticket und begab mich zum Gate.

Der Koreaner neben mir, dem Bösewicht aus einem der Bondfilme nicht unähnlich, erzählte, daß er drei Tage in Kuala Lumpur auf Kosten der Airline auf seinen Flug warten mußte, da in Kathmandu eine Maschine der Turkish Airlines bei extrem schlechter Sicht nicht ganz die Landebahn getroffen hatte, im Gras landete und für vier Tage den Flughafen blockierte. 80000 Fluggäste waren betroffen. Um die Maschine zu entfernen, mußte Equipment von Indien ausgeliehen werden. Gottseidank wurde niemand verletzt.

Nach all der Aufregung ließ ich den Canard-Duchène Champagner öffnen und die Stewardessen nicht müde, uns nachzuschenken. Die Landung war sanft und entspannt, der Immigrationofficer hieß mich willkommen und ich begab mich zum Baggage Claim. In der Halle stapelten sich Himalaya-Berge von Gepäck und Menschenmassen in Viererreihen an der Ausgabe. Zwei Stunden später, gegen vier Uhr morgens, gab ich es auf und nahm ein Taxi zum Hotel. Der Taxifahrer erzählte, daß es für Katmandu normal sei, sein Gepäck ein paar Tage später zu bekommen.

IMG_0699Nach ein paar Stunden Schlaf durfte ich die umliegende Bergwelt  bewundern und vom Himalaya träumen! Ich nutzte die Gunst der Stunde, im März versinken die Berge oft im Dunst und bestieg den heiligen Affentempel, das Wahrzeichen von Kathmandu.

die Affen warten schon...
die Affen warten schon…

Prompt ließ ich mir den gerade gekauften Fruchtsalat unter den lachenden Augen des Fruchtverkäufers klauen! Verscheuchen ließen sich die Affen nicht.

Gebetsmühlen
Gebetsmühlen

IMG_0695Am nächsten Morgen versuchte ich mein Glück erneut am Flughafen. Im “Lost and Found” Büro schickte man mich in die immer noch mit Gepäck vollgestopfte Ankunftshalle; gerade wäre ein Flugzeug von Malaysia Airlines gelandet. Am Gepäckband traf ich Gleichgesinnte und hörte ihre Stories, wie sie an Flughäfen festsaßen, mein Gepäck tauchte nicht auf. Am Counter hatte tatsächlich ein Mitarbeiter eine Liste mit Nummern und meinte, meine wäre darunter. In einer gut versteckten Ecke fanden wir dann tatsächlich meinen Rucksack!

die "Stromversorgung" Kathmandus
Der Strom ist in Nepal auf bestimmte Zeiten limitiert, wenn er nicht von allein ausfällt

4. Schaukelzüge & Tempel satt beim Touristenauftrieb in Bagan

Von Hsipaw über Bagan nach Yangoon

Eins meiner schönsten Erlebnisse war die Zugfahrt über das Gokteik-Viadukt. In Hsipaw eingestiegen, wählte ich die economy class statt der ausschließlich von Touristen bevölkerten Upper class.

Mit einer Jacke als Polster machte ich mir´s gemütlich, der „Geschwindigkeit“ des Zuges angepaßt. Felder zogen vorbei, von denen uns die Arbeiter zuwinkten, entspannter geht’s kaum. Gelegentlich fing der Zug an zu schaukeln wie ein Boot bei kappeliger See, ein Wagen entgegengesetzt zum anderen. Das Geheimnis, warum er nicht entgleist?

IMG_0509Dann näherten wir uns dem Highlight, dem Gokteik-Viadukt. Nach einem Felsentunnel ratterten wir über die Brücke, nur eine Handbreit neben dem Abgrund. Da wird sogar mir ein wenig schwindelig. Gottseidank schaukelt er hier nicht!

IMG_051613 Stunden Zugfahrt waren mir doch zuviel, daher nahm ich von Pjin OO Lwin lieber den Bus nach Mandalay. Weiter in der Touristenhochburg Bagan kostete es 20 Dollar Eintritt für jeden Ausländer, auch in vielen Museen, Pagoden und sogar Parks darf er im Gegensatz zu den Burmesen zahlen. Ich nahm einen sehr bequemen Kleinbus, der mich netterweise auf mein Winken direkt am Guesthouse absetzte und mir den Eintritt ersparte.

Nach 10 Jahren erkannte ich Bagan kaum wieder, der Verkehr hatte wie die Preise erheblich zugenommen, die Ochsenkarren und Kutschen gibt es kaum mehr, letztere nur noch für Touristen. Neue PKW´s und Lastwägen dominierten jetzt die Straßen.

IMG_0531Ganz begeistert war ich vom E-Bike, einer Art umgebauten und lautlosen! Mofa. Wenigstens etwas ruhiger wäre es, wenn alle statt der ständig hupenden Motorräder darauf umsteigen würden, viel schneller waren sie wegen kreuz- und querfahrender Lastwägen, PKW´s, Trishaw´s, Bussen, Fahrrädern, Fußgängern und bepackten Handwägen auch nicht.

Überraschend, daß die Burmesen nie agressiv werden, sondern neben meinem Rad oder E-Bike herfahren, um mir zuzuwinken, etwas zu verkaufen, mich zu begrüßen oder Kußhände zuzuwerfen.

Der Sonnenuntergangs-Tourismus war ab 17:30 in vollem Gange. Am ersten Abend verschwand die Sonne vorzeitig im grauen Dunst. Tagsüber wurde es plötzlich ernorm heiß. Daher vertrieb ich mir die Zeit im geschmackvoll dekorierten „A little bit of Bagan“, das Garden-Restaurant in einer ruhigen Seitenstrasse.

IMG_0576Das schönste Wunder: Internet funktioniert! Liebevoll wurde das Essen zu zivilen Preisen serviert, merkwürdig, daß die meisten Touristen die lauten Lokale an der staubigen Strasse bevorzugten.

Avocado-Tomatensalat und Fruitshake à la Little bit of Bagan
Avocado-Tomatensalat und Fruitshake à la Little bit of Bagan

Am nächsten Abend wurde der nächste besteigbare Tempel besucht, von unten sah ich bereits die herunterhängenden Füße der Wartenden. Oben war die Sicht auf die Tempel und umliegenden Berge herrlich!

IMG_0580Darauf achtete kaum jemand, 1000 Fotos zu schießen ist wichtiger als die wunderbare Aussicht zu genießen. Riesenobjektive wurden auf Stativen platziert, alles, was eine Knipsfunktion vorwies, ununterbrochen gezückt. Diesmal tat die Sonne uns den Gefallen, im roten Ball hinter den Bergen zu versinken.

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IMG_0583Auf dem Rückweg durch menschenleere sandige Wege wurde mein E-Bike verdächtig langsam und der Weg kam mir plötzlich so weit vor. Wohin waren die Menschenmassen verschwunden? Hatten die eine andere Straße genommen? Mit dem letzten Rucken erreichte ich mein Guesthouse.

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erst die Speisung…
nicht ohne mein Handy gilt auch für Mönche!
dann das Handy checken, gilt auch für Mönche!

Um meine Lunge zu entstauben, schwebte mir ein Strandbesuch für die letzten Tage vor. Das würde 1 ½ Tage und auf der Rückfahrt noch einmal 7 Stunden Busfahrt für einen Tag am Strand bedeuten.

IMG_0618Alternativ erkundete ich Bago mit seinen liegenden Buddhas und Tempeln, in denen es entspannend ruhig ist, bis per Lautsprecher Gesänge die Ohren schmerzen ließ.

Das staunt die Naga-Schlange über die vielen Souveniers!
keine Pagode ohne Souveniermeile, da staunt die Naga-Schlange

Der Verkehr war hier besonders unerträglich und die Suche nach einem passablen Restaurant schwierig, so daß ich vorzeitig nach Yangoon abreiste. So schlenderte ich dort durch die Gassen und entdecke den Gewürzmarkt und einige schöne Art-Déco Gebäude.

IMG_0662 Als krönender Abschluß darf ein Besuch im legendären wunderschönen “The Strand” Hotel nicht fehlen.

IMG_0671Das schönste an Myanmar ist die Freundlichkeit und das Lächeln der Einwohner. Getrübt werden kann es  durch das Kauen der Betelnuß, die mit unappetitlichem Geräusch ausgerotzt wird. Das läßt die Zähne wie verfault oder blutunterlaufen aussehen, eher bei Männern und Älteren zu beobachten.

die Betenußbar
die Betenußbar
ohne Betelnußkauen
ohne Betelnußkauen
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mit Betelnuß

Frauen und Kinder trugen traditionell die aus Baumrinde hergestellte Thanaka Creme auf, die eine schöne Haut macht und vor Sonnenbrand schützt.

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Hsipaw, Myanmar

3. Von Mingun zur Abkühlung nach Pjin OO Lwin und Hsipaw im Shanstate

Als schreibende Reisende in Myanmar fühlte ich mich wie von der Schlange Kaa aus Rudyard Kipling´s Dschungelbuch hypnotisiert, so starrte ich auf das unendlich-kreisende Ladezeichen im Internet. Ich fühlte mich wie in einem Hamsterrad. Wann würde ich befreit? Damit hatten Kipling, George Orwell und Co. damals keine Schwierigkeiten.

Um dem Staub und hupendem Verkehr in Mandalay zu entkommen, empfiehlt sich ein Bootstrip nach Mingun. Einheimische räkeltn sich nicht in den harten Deckchairs, kein Wunder, wie ich erfahre, kostete das lokale Boot, angeblich für Ausländer verboten, wie so oft nur ein Zehntel.

IMG_0347In Mingun hatte der König Bodawpaya versucht, die größte Pagode der Welt mit Hilfe von Zwangsarbeitern zu bauen.  Wie so viele Größenwahnsinnige vor und nach ihm scheiterte er, als sie zu einem Drittel fertig war, starb er und die Bauarbeiten wurden eingestellt.   Jetzt erklomm ich wie viele Touristen barfuß den Bau und genoß den Rundumblick, nur vom ewigen Februar-Dunst Myanmars eingeschränkt.

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