Schlagwort-Archive: Terry Gilliam

Preisregen, Sonne satt und Filmtips beim Filmfest München

So viele Filme, nur 10 Tage Zeit; Flügel müsste man haben, dachte ich mir, mit dem Rad von einem zum anderen Kino rasend.  Die CSU hat die Lösung, wie schon Stoiber mit seinem „Transrapid“: sie will ein Flugtaxi bauen, um die Staus zu umgehen. Ob die Staus in der Luft nicht viel gefährlicher sind?

die wunderbaren Franz Dinda und Sahin Eryilmaz in Ronny & Klaid
Foto: Filmfest

Da ging ich lieber in den  Film „Ronny & Klaid“ aus der Reihe Spotlight. Ronny und Klaid betreiben einen wenig erfolgreichen Laden. Klaid versucht sich beim Glücksspiel, gewinnt und verliert wieder alles. Jetzt muss er seine Schulden beim Gangsterboss zurückzahlen. Jeder zehnte Deutsche ist ein Millionär? Dann müssen sie nur 10 Kunden aus ihrem Laden entführen! Irrwitzige Dialoge und überrraschende Wendungen lassen einen schlapplachen. Leider steht ein Kinostart noch nicht fest.

Welcome to Sodom
Foto: Filmfest

Ein sehr wichtiger Film ist „Welcome to Sodom“ über die größte Müllhalde der Welt in Accra, Ghana, wo 6000 Menschen unter gesundheitsschädlichen Bedingungen unseren Elektromüll sortieren und entsorgen. Leider halten die Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes nur die Kamera auf das Geschehen, anstatt es zu kommentieren.  Er bekam eine lobende Erwähnung auf dem Filmfest. Beim Camino-Vereih startet der Film am 2.8.18 in die Kinos, anschauen!

Jede Menge Preise wurden verliehen, das Highlight war Schauspielerin und Drehbuchschreiberin Emma Thompson, die auf der Bühne ein Ständchen sang, als sie mit dem CineMerit Award geehrt wurde.

Auch Filmfest-Wiederholungsgast Terry Gilliam wurde mit dem CineMerit Award ausgezeichnet, der gutgelaunt seinen neuen Film „The man who killed Don Quijote“ vorstellte, dessen Fertigstellung über 20 Jahre dauerte. Witzig und ungewöhnlich mit vielen Überraschungen ist er nur ein klein wenig zu lang. Am 27.9.18 kommt er in die Kinos.

SHOPLIFTERS
Foto: filmfest

Das humanistische Meisterwerk Shoplifters von Hirokazu Kore-eda begeisterte nicht nur die Jury aus Schauspielerin und Sängerin Meret Becker, Schauspielerin Amanda Plummer und Musiker Blixa Bargeld, die ihm den ARRI/Osram Award für den besten internationalen Film in der Reihe CineMasters vermachten. Die Goldene Palme von Cannes hat erschon. Hier wird die Familie aufgebrochen, Identitäten geändert, neue Moralvorstellungen entwickelt, die laut Jury Hoffnung geben.

Border
Foto: Filmfest

Der verstörende, ungeheuerliche Film „Border“ aus Dänemark von Ali Abbasi über die „anders-aussehende“ Protagonistin, die einen herausragenden Geruchssinn hat, mit dem sie sogar Angstschweiß riechen kann, erhielt den CineVision Award.

Alles ist gut“ von Eva Trobisch über sexuelle Gewalt und Nötigung, die die Betroffene einfach ignorieren möchte, gewann nicht nur den Firesci Preis des internationalen Kritikerverbandes, sondern auch den Fördepreis Neues Deutsches Kino für Beste Regie und Schauspielproduktion. Im Herbst 2018 ist er im Kino zu sehen, sehenswert!

Wackersdorf

Das Filmfest Publikum wählte „Wackersdorf“ von Oliver Haffner, die kritische Geschichte über die damaligen Vorkommnisse um die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, für den Publikumspreis aus. Hoffentlich bekommt er auch im Kino ab dem 20.9.18 genug Zuschauer!

Die Brücke“, den Friedenspreis des Deutschen Films, erhielten Ziad Doueiri für „The Insult“ (Regiepreis international),  Lars Kraume für „Das Schweigende Klassenzimmer“ (Regiepreis national) und Feras Fayyad für „Die letzten Männer von Aleppo“ (Spezialpreis), Katja Benrath (Nachwuchspreis) in „Watu Wote – All of us“ und Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds bekam Oliver Bodmer bei einer festlichen Gala im Cuvillée Theater.

Anna de Paoli freute sich über den Produzentenpreis für „A Young Man with High Potential“ und Damian John Harper über den Preis für das beste Drehbuch für „In the Middle of the River„.

Und ich freue mich auf das nächste Filmfest München in 2019!

Save the Date!

 

Was gibt es Neues auf dem Sommer-Filmfest Münchens?

Cineasten und Filmliebhaber dürfen aufatmen: nur noch 10 Tage, dann können sie sich auf Münchens entspanntem Filmfest bei aufregenden Filmen in Originalfassung abkühlen, die Regisseure mit Fragen löchern und anschließend auf Partys und Empfängen Gleichgesinnte treffen.

Start ist am 27.6. 18 mit F.W. Murnaus Stummfilmklassiker „Faust – eine Deutsche Volkssage“ in der Philharmonie mit Live-Musik des Komponisten Bernd Schultheiss, gespielt von den Münchner Symphonikern.

Mackie Messer Brechts Dreigroschenfilm mit Tobias Moretti

Offiziell eröffnet wird das Fimfest München am 28.6. mit „Mackie Messer –  Brechts Dreigroschenfilm“ von Joachim A. Lang mit Tobias Moretti, Hannah Herzsprung und Joachim Krol aus der Reihe Neues Deutsches Kino. Hier werden Klassiker über Brechts Rechtsstreit und einem fiktiven Filmprojekt neu interpretiert mit echten Brecht-Zitaten, klingt spannend!

Emma Thomson im neuen Film Kindeswohl

Stargäste sind diesmal die zur „Dame“ gekürte Oskar-Preisträgerin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Emma Thomson, die ihren neuen Film „Kindeswohl“ und drei ihrer früheren Filme vorstellt. Sie spielt in „Kindeswohl“ eine Familienrichterin, die mit dem Fall eines leukämiekranken Jungen der Zeugen Jehovas konfrontiert ist, dessen Eltern aus religiösen Gründen einer lebensnotwendigen Bluttransfusion nicht zustimmen wollen.

der urkomische Film „Die Ritter der Kokosnuss“

Sie bekommt wie Regisseur Terry Gilliam den Cine Merit Award, dessen Filme „Brazil“, „Die Ritter der Kokosnuss„,  „Der König der Fischer“, „Lost in La Mancha“ und „The man who killed Don Quichote“ gezeigt werden. Die Verfilmung des letztgenannten Films dauerte 20! Jahre. Ich bin gespannt, was er darüber beim Filmgespräch am 2.7. um 17 Uhr in der Blackbox zu erzählen weiß. Alle Filme unbedingt anschauen!

„Zama“

10 Filme von Meisterregisseuren wie Lucretia  Martel mit „Zama“ über den königstreuen Zama, der 1790 auf seinem verlassenen Außenposten Paraguays auf seine Versetzung nach Argentinien wartet,  locken in der Reihe Cinemasters, allesamt von den Programmern des Filmfests wärmstens empfohlen.

„Border“

In der Reihe Cinevision habe ich mir den „un certain regard“ Gewinner „Border“ aus Dänemark angekreuzt; die beim Zoll arbeitende Tina hat einen ausgezeichneten Geruchssinn und bei einer Begegnung mit einem außergewöhnlich riechendem Mann öffnet sich eine Tür zu einer mythologischen Welt. In „Chuva é cantoria na aldeia dos mortos“ erlebt ein Eingeborener aus dem Brasilianischen Regenwald die Großstadt. Auch er gewann den Jurypreis „un certain regard“. „Diamantino“ erzählt eine Geschichte über einen Portugiesischen Fußball-Weltstar, der seine Talente verliert und auf der Sinnsuche mit der Flüchtlingskrise, dem Neofaschismus und der Gentechnik konfrontiert wird.

Anon

Im Spotlight zeigt unter vielen anderen wieder Klaus Lemke sein neuestes Werk „Bad girl avenue“ über Frauen, die ihre Männer in Mimosen verwandeln, um sie später auszuwidern, man darf gespannt sein! Brandaktuell der Abschlußfilm „Anon“ von Andrew Niccol über die totale Datentransparenz über eine Augenimplantation, auf der alles gespeichert wird, ein Horrofilm der nicht mehr so fernen Zukunft! Nicht entgehen lassen.

Nicht nur in diesem Film geht es um die weltweite, permanente Überwachung, der Entführungethriller „Searching“ spielt sich ausschließlich auf Computerbildschirmen ab, „Dragonfly Eyes“ von Bing Xu besteht nur aus Material mit Überwachungskameras.

Filme von Philipp Gröning und Lucretia Martel sind in der Retrospektive zu sehen, die International Independents warten mit 64! spannenden Filmen auf. Das Seriencamp, Kinderfilmfest, die neuen Deutschen Serien und Filme runden das umfangreiche Programm ab. Natürlich sind alle Filmemacher in der Blackbox live zu erleben. Neben vielen Fachveransstaltungen und Workshops laden öffentliche Partys zum Feiern ein, darunter im Bahnwärter Thiel am 30. Juni.

Alles Infos unter filmfest-muenchen

Fotocredit: Filmfest München

Titelbildcredit: aus „Lost in La Mancha“ Diego Lopez Calvin

Fantastische Tanz-Akrobatik vor Metropolis-Kulisse

 „Cirkopolis“ inspiriert von Fritz Langs „Metropolis“ 

Schon 2006 und 2010 begeisterte der Kanadische Cirque Èloize mit der „Sky-Trilogie“ von Daniel Finzi Pascas das Deutsche Theater. In ihrer idealen  neuen Heimat, dem Grand Chapiteau, eröffneten sie das Winter-Tollwood auf der Theresienwiese mit ihrem neuen Programm „Cirkopolis“.

Im Hintergrund erinnern auf Leinwand projizierte graue, futuristische Maschinenstädte an Fritz Langs „Metropolis“ und Terry Gilliams düstere Visionen aus „Brazil“.  Graue Gestalten bewegen sich vor und hinter der Leinwand. Ein Mann stempelt einen nicht enden wollenden Stapel riesiger Aktenberge.

CirqueEloize_Cirkopolis_Contortion2_small_01Das Papier wirbelt durch die Luft, denn die  Artisten umtanzen ihn und fliegen über ihn hinweg. Eine Schlangen-Artistin kann sich im Handstand so verdrehen, daß ihre Beine über dem Papierstapel vor ihrem Kopf hängen.

CirqueEloize_Cirkopolis_Banquine_small_05Der Zuschauer wird auf eine Tour de Force des Tanzes mit einfließender Akrobatik inklusive viel Humor mitgenommen, daß ihm schwindelig wird. Unglaubliche Körperbeherrschung interagiert tänzerisch mit der Geschichte. Eindeutig spürbar ist der Einfluß eines Choreographen, es ist das Enfant Terrible des contemporären Tanzes, Dave St. Pierre, der neben Cirque Èloize Mitbegründer Jeannot Painchaud am Regiestuhl sitzt.

CirqueEloize_Cirkopolis_Contortion_smallVor dieser aufregenden Traum-Show stärkten wir uns mit dem 4-Gänge Bio-Menue. Die Vorspeise Crème Brulée vom Ziegenfrischkäse mit Apfel-Stangensellerie-Ragout und  in Portwein marinierte Schalotten mundeten vorzüglich, den Käse strich sich meine Begleitung sogar auf´s Brot.

Vorspeise_Foto_Daniel.Schvarcz_2015
Vorspeise Crème Brulée mit Apfel-Stangensellerie un in Portwein marinierte Schalotten Foto_Daniel.Schvarcz

Nach der Suppe kam der Hauptgang, sowohl der Festtagsbraten vom Weiderind in Apfel-Preiselbeerrotkraut mit Brioche Serviettenknödel als auch die vegetarische Variante Paranussbraten im Blätterteig in Preiselbeersoßen mit Feldsalat ließen kaum Wünsche offen.

Dessert_Foto_Daniel.Schvarcz
Dessert_Foto_Daniel.Schvarcz

Nach der Show waren der Warme Schoko-Gugelhupf mit Ahornsirup und Rumkirschen ein delikater Abschluß eines perfekten Abends.

 

Informationen & Tickets unter 0700-38385034 oder www.tollwood.de

Sehenswert auf dem Winter-Tollwood sind ganz besonders die Ausstellung im Weltsalon und die „Trash People“ von Aktionskünstler HA Schult, die am U-Bahn Eingang Theresienwiese eine erschreckene Müllarmee darstellen. Unbedingt anschauen!

Ebenso wichtig engagiert sich Tollwood,  daß im Wirkungskreis der Landeshauptstadt München zukünftig nur noch Produkte aus nachweislich artgerechter Tierhaltung zum Einsatz kommen.

https://www.artgerechtes-muenchen.de/mitmachen/