Der Schweizer Film THE NARRATIVE von Bernard Weber und Martin Schilt bekam den Hauptpreis des 41. DOK.fest München, die VIKTORIA DOK.international Main Competition.
Der ehemalige UBS-Trader Kweku Adoboli wird für den Verlust von 2,3 Milliarden Dollar verurteilt. Doch wen trifft wirklich die Schuld in diesem Fall? Der Film rekonstruiert den Prozess anhand originaler Protokolle und hinterfragt die dominierende Erzählung. Ein vielschichtiges Porträt über Kapitalismus, Systemversagen und die Macht von Narrativen.
Aus der Jurybegründung: „Der Gewinnerfilm ist eine Meisterleistung darin, mit der überwältigenden Komplexität der Wahrheit umzugehen. Mit einem Protagonisten, der ebenso sympathisch wie resilient ist, führen uns die Filmemacher in eine Geschichte, die „emotional intensiv“ ist, dabei aber durch einen scharfsinnigen, unverzichtbaren Sinn für Humor bemerkenswert ausgeglichen wird. Der Film deckt eine tiefgreifende systemische Ungerechtigkeit auf und enthüllt die kaltherzige Verantwortungslosigkeit sowie die vielschichtigen Täuschungsmanöver mächtiger Bankinstitute.

Das Unrecht der Deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika wirkt bis heute in Namibia nach. MEANWHILE IN NAMIBIA von Jonas Spriestersbach erhielt den VIKTORIA DOK.deutsch Wettbewerb!
Die Jurybegründung: „Wir sind tief beeindruckt von der einfühlsamen Kameraführung des Regisseurs, die Tourist*innen einfängt, die die Darbietung der schwarzen Bevölkerung in vorkolonialen Kostümen mit unverhohlen rassistischen und sexistischen Blicken betrachten. Wir sind verblüfft von den Bildern, den Handlungen und Ansichten, die sie widerspiegeln. Der Regisseur unterstreicht gekonnt das Unbehagen, das der Film zu Recht hinterlässt, wenn die Kamera gelegentlich einen Perspektivwechsel zulässt, bei dem Namibier*innen das Verhalten und Auftreten der Deutschen kommentieren.

UNWELCOMED von Sebastián González und Amílcar Infante gewann die VIKTORIA DOK.horizonte Competition – Cinema of Urgency.
Mit der Jurybegründung: „Was diesen Film für uns auszeichnet, ist die Klarheit der formalen Entscheidungen der Co-Regisseure Sebastián Gonzaléz und Amílcar Infante. Anstatt einem einzelnen Erzählstrang zu folgen, vereinen sie eine Vielzahl von individuellen Erfahrungen, ohne in ein vereinfachtes Narrativ zu verfallen. Dadurch bleibt der Überblick gewahrt, während eine Spannung zwischen Distanz und Nähe das Zuschauer*innenerlebnis prägt. Weitläufige Luftaufnahmen halten uns auf Distanz, während Nahaufnahmen eine Unmittelbarkeit vermitteln, die bewusst unvollständig bleibt. Auf dieser Weise schildert der Film Migration nicht nur, sondern macht ihre Umstände greifbar.
Über den Kino Kino Publikumspreis freute sich Regisseurin Denise Riedmayer mit ihrem Film „When Pigs fly“ über das Schwein als Organspender oder als lebenslanger Begleiter? „Was an Empfindsamkeit bleibt“ von Daniela Magnani Hüller gewann den megaherz Student Award.

Unbedingt sehenswert sind auch „Das Gewicht der Welt“ über Wissenschaftler, die zu Aktivisten geworden sind, „Whatching people whatching birds“ über passionierte Vogelbeobachter, die feststellen, wie die Vielfalt schwindet und „Finding Connections“ über Menschen, die sich in ihren KI-Compagnon verlieben. Erschreckend und absolut wichtig ist der Film „Intelligent Rising“ mit der Frage, ob die KI die Menschen kontrollieren wird oder die Menschen noch die Möglichkeit haben werden, die KI zu kontrollieren! In einem „War Game“ werden verschiedene Horrorszenarien durchgespielt….

Die meisten Filme sind noch @home bis zum 25.05.2026 zu sehen, nicht versäumen!