Menschlichkeit als Widerstand beim Friedenspreis des Deutschen Films 2026

 

Zum 25. Mal wurde der „Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke“ verliehen. Heimat-Trilogie Filmemacher Edgar Reitz, der den Ehrenpreis erhielt, meinte, die Verleihung sei eine Gelegenheit, über den Begriff des Friedens nachzudenken. Es stelle sich die Frage „in welcher Weise die Künste zum Frieden beitragen können“. Denn würden erst mal die Waffen schweigen, haben wir eine Chance, dann ist für die Filmkunst ein Platz“.

In ihrem autobiographischen Langfilmdebüt „Was an Empfindsamkeit bleibt“ erzählt Regisseurin Daniela Magnani Hüller, wie sie beinahe von einem Mitschüler umgebracht wurde – weil sie eine Frau beziehungsweise, damals noch ein 16jähriges Mädchen war, wofür sie mit dem Debutpreis ausgezeichnet wurde.

„Ich habe große Teile des Films hier gedreht und ich habe den Femizid-Versuch hier überlebt. Das ist eine wahnsinnig tolle Wertschätzung, zu wissen, dass es ankommt und dass es sich gelohnt hat, den Weg zu gehen.“ Der Täter ist wieder auf freiem Fuß, daher bekam sie auf der Berlinale Personenschutz, als sie ihren Film vorstellte.

Regisseur Ilker Çatak zeigt in seinem Film „Gelbe Briefe“, wie kritische Künstler in der Türkei bedroht und gezwungen werden sollen, regierungsfreundliche Theaterstücke zu inszenieren, sonst würde ihr Theater geschlossen. Bei der emotionalen Verleihung kamen ihm, dem Preisträger, die Tränen, als er von seiner Mama und seiner Oma erzählte, die in den 60ern nach Deutschland gekommen sind, Rassismus erlebten und in Fabriken geschuftet haben. Ob Filme was verändern können? Ilker sagte: „Ich glaube ja. Vielleicht können sie nicht in der Breite die ganze Welt verändern. Aber vielleicht können sie das Individuum verändern oder einen Teilaspekt, den Blick auf die Welt eröffnen, der einem neu war und auf diese Weise subtiler etwas verändern.“

Dominik Maringer nahm stellvertretend den internationalen Preis für „Im Schatten des Orangenbaums“ von Cherin Dabis entgegen. Sie erzählt die Geschichte ihrer eigenen Familie, die aus dem Westjordanland vertrieben, bedroht und gedemütigt wurde und seit Generationen mit diesem Trauma kämpft. Die Frage ist: Sollen sie zulassen, dass ihr Sohn, der von einem Israeli erschossen wurde, mit seinen Organspenden, anderer Menschen Leben retten, egal, woher sie kommen? Sie möchten sich nicht in Hass und Vergeltung stürzen, sondern weiter für Liebe und Menschlichkeit einsetzen. 

In der heutigen Zeit, wo es so viele verhärtete Fronten gibt, sei es laut Dominik Maringer wichtig, dass man nicht nur in schwarz-weiß denkt. Der Friedenspreis des Deutschen Films sei besonders deswegen so wertvoll, weil er seinen Fokus auf nicht-radikale Positionen setzt.

die Preisträger des Friedenspreises 2026 mit Elisabeth Wick-Endress Foto Oliver Bodmer

Elisabeth Wicki-Endriss, die Initiatorin des Friedenspreises, blickt in diesem Jubiläumsjahr mit gemischten Gefühlen zurück und voraus: „Es hat sich im Grunde nichts geändert, das ist das Schlimme, schaut ins Westjordanland. Aber man muss versuchen, etwas dagegen zu tun. Menschlichkeit ist eine Form des Widerstands.

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