Greenwashing in Singapur

Ist dieser Planet noch zu retten?

Das ging mir durch den Kopf, als ich in klimatisierten Bussen und U-Bahnen durch Singapur, das sich für die „grünste“ Stadt der Welt hält, fuhr, ausstieg und schweißgebadet saunierte, ohne das obligatorische Kühlbecken. Schon jetzt, 2020, ist es fast unerträglich, sich im Freien aufzuhalten. Die Straßen sind mit Bäumen gesäumt, viele schöne Gärten und Dschungel-artige Nationalparks laden zum Spazieren ein, um den Abgasen zu entfliehen. Zwecklos, ein horrender Verkehr mit brandneuen, teuren Autos auf sechs- bis zehnspurigen! Straßen und eisgekühlte Gebäude heizen die Stadt am Äquator mit ihren Klimaanlagen zusätzlich auf.

Klimaanlagen-Gasse in Little India

Vor 2 Jahren war es einfach, überall Fahrräder auszuleihen, die die Benutzer einfach liegen ließen. Deshalb wurden sie wieder abgeschafft. Es gibt Fahrräder, aber keine Radwege, obwohl die Stadt sich problemlos erradeln ließe.

In der Singapur City Gallery erklärt eine interaktive Ausstellung, wie Singapur in Zukunft die Luft verbessern, mehr Grün genießen, Autofahren reduzieren und Radfahren propagieren will. Das Kunst-Projekt apublicsquare.sg regt zu nachhaltiger Konversation über öffentliche Plätze ein und initiiert gerade eine Comic-Ausstellung zum Problem der teuren Wohnungen in Singapur.

apublicspace.sg Ausstellung

Daß in einer fortschrittlichen Stadt wie Singapur manische Plastiksucht vorherrscht, ist mir unverständlich. Alles wird doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt; Strohhalme werden verteilt, als würde man dafür bezahlt. Immerhin füllen viele Singapurianer ihre eigene Wasserflasche mit dem sauberen Leitungswasser auf, nur ein Traveller und ich taten dasselbe, die anderen Reisenden kauften sich Pastikflaschen.

Es wundert mich nicht, dass plötzlich dieser Globale Corona-Virus aufgetaucht ist. Ist das eine Warnung an die Menschheit, endlich die durch Gier und Ignoranz verursachte Umweltverschmutzung zu stoppen und miteinander statt gegeneinander zu leben? Überall wird Temperatur gemessen, Länder schließen ihre Grenzen, sämtliche Veranstaltungen werden abgesagt, andere Probleme treten in den Hinergrund, als ob es keine Gravierenden auf der Welt gäbe. Ein Gutes hat der Virus gebracht, das Klima hat sich verbessert und wer weiß, vielleicht fördert das den Zusammenhalt?

Wie wird es in 10 bis 20 Jahren aussehen? Überdacht und vollklimatisiert, damit die Hitze außerhalb Singapurs geblasen wird? Der Klimawandel wird das plastikverseuchte Meer weiter steigen lassen und Singapur liegt direkt am Meer ohne Deiche…

Schreibe einen Kommentar