Von der Wein-Metropole Mendoza nach Uspallata im Gebirgstal

Nachdem ich Malbec auf Deutschen Weinfestivals probieren durfte, stellte ich mir Mendoza in Argentinien romantisch inmitten von Weinbergen vor.  So stand für mich fest, das musste ich vor Ort kennenlernen!

Ursprünglich eine Wüstenstadt, wird die Umgebung mit Schmelzwasser aus den Bergen gewässert, um hervorragenden Wein anbauen zu können. Pulsierend, mit entsprechendem Autoverkehr und weit entfernten Bergen, entsprach es natürlich nicht meiner romantischen Vorstellung. Immerhin sind die Straßen von schattenspendenden Bäumen gesäumt.

die Qual der Wahl bei der Weinprobe in Mendoza

An der sehr gut informierten Touristeninformation wurde ich sogleich auf einen Weinrundgang geschickt. Zwei Bodegas luden uns zum Verkosten ein. Die süffigen Rotweine, mit kreativen Etiketten versehen, waren ausschließlich leckere Malbecs, der Probier-Sekt befand sich in einer verdächtig bunten Flasche. Ich ahnte nichts Trockenes und ja, es handelte sich um süßen Sekt, sehr beliebt bei den Süßigkeiten-verliebten Argentiniern.

ein Tanz für die Touristen

Die Weinanbaugebiete liegen weit außerhalb, so nahm ich den Zug nach Maipu. Es war schon 16 Uhr, daher verzichtete ich auf´s Rad-Ausleihen und ging zu Fuß zum über 100 Jahre alten Lopez-Weingut. Nach eingehender Betrachtung der historischen Weinherstellungsgerätschaften war die Führung durch die industriellen Anlagen natürlich auf Spanisch. Ein Franzose und ich verstanden nur die Hälfte, umso mehr bei der anschließenden Verkostung. Der Malbec war hervorragend. Als die pink-grüne Sektflasche auf uns zu kam, fragte ich den Ausschenkenden, ob wir nicht stattdessen einen Brut-Sekt probieren dürfen. Der war nicht offen, aber statt nur zwei Weine probieren zu dürfen, wurden uns 5 hervorragende Weißweine kredenzt.

Weinselig wurde es auch in meinem Lao-Hostel, wo süffiger Rotwein abends gratis ausgeschenkt wurde. Den jungen Engländern im Hostel genügte das anscheinend nicht, da sie in einem Geschäft billigen Vodka entdeckten und ausmachten, wo weißes Pulver zu bekommen war. So waren die Abende äußerst lustig und wenn ich in die Falle hüpfte, gingen die jungen Leute Clubbing. Am nächsten Nachmittag erzählten sie mir dann, wie schlecht der nächtliche Ausflug gewesen war. In Argentinischen Clubs geht der Bär nicht vor 3 Uhr morgens ab und in diesem Falle wohl eher nach hinten los.

schade, daß wir Zuschauer beim Konzert in der enoteca unangenehm geblendet wurden

Den Camino de Vino mit Ständen aller nahen Weingüter zum Verkosten gab es leider nur im Internet vom letzten Jahr, dafür klassische Konzerte mit teilweiser Weinbegleitung. Die Konzerte im schon etwas schäbigenTheater und im Centro Thematico del Vino, einem Weinmuseum, waren schön, nur wurde versäumt, das grelle Licht zu dimmen, so war die Atmosphäre gleich null. Da half auch der gute Wein vorher nichts!

die Bovedas in Uspallata

Mich lockten die Berge auf dem Weg nach Chile, so buchte ich ein Busticket nach Uspallata, ein kleines Dorf mit vielen Wandermöglichkeiten. Es war heiß, trotzdem wanderte ich die 2-3 Kilometer zu  den im 16. Jahrhundert errichteten Kuppeln der Bovedas, wo bis in´s 19.Jahrhundert Gold, Eisen und Silber verarbeitet wurde. Jetzt bewunderte ich eine Ausstellung lokaler Künstler.

Am nächsten Tag wanderte ich die ca. 9 Kilometer lange Straße zu den 7farbigen Felsen entlang.  Auf dem Sand entdeckte ich verdächtig frische Spuren, die mich daran erinnerten, daß ich vorhin ein Schild mit einem Puma sah und versäumt hatte, zu lesen, wie man sich bei einer Begegnung verhalten sollte…Leider hatte ich ihn wohl verpasst oder er hatte sich versteckt?

Irgendwann auf dem wunderschönen Weg, erreichte ich die mehrfarbigen  Felsen.

Es sah nach einem Weg zum Hochklettern aus, leider war dieser zu rutschig für meine Trekkingsandalen. Beim Heruntergehen traf ich auf nette Argentinier, die mich mit ihrem Auto mitnahmen, so sparte ich mir den langen Weg zurück. Es hätten mich noch mehr Sehenswürdigkeiten interessiert, aber in meinem Hostel, dem Puri, waren die Wände so papierdünn wie die Gäste entsetzlich laut, so hatte ich nach 2 Nächten genug und machte mich auf Weg nach Santiago de Chile.

Tipps für Mendoza:

Geldwechseln: statt beim Geldautomaten horrende Summen zu zahlen, in´s Casino beim Sheraton gehen und Geld wechseln oder mit Kreditkarte kostenlos! abheben

Unterkunft: für Allenreisende eignet sich das Lao-Hostel perfekt, nicht das dorm an der Straße nehmen! hinten im Garten haben sie schöne Privatzimmer mit Bad, gute Atmosphäre, ideal, um andere Reisende kennenzulernen,  mit hilfsbereitem, Englisch-sprachigem Staff

Essen: Im Café Beirut sitzt es sich schön draußen zwischen bemalten Wänden, freundliches Personal bringt leckeres Essen, auch vegetarisches, das beste vegetarische Buffet gibt es im El Vegetariano in der Alem 74, leider wird alles in Plastik verpackt und in der Mikrowelle angewärmt, daher eigenen Behälter mitbringen! Das Café und Bäckerei Bröd ist ideal, um im schönen Garten entspannt ein wundervolles Brunch-Frühstück zu genießen

Brunch im Café Bröd

Radfahren:

auch hier gibt es kostenlose Fahrräder ecobici genannt, bei der sehr gut informierten Touristeninfo nachfragen, normalerweise müßte man es in der Municipalidad mit dem  Paß beantragen können, die Räder vorher genau durchchecken, manche sind in schlechtem Zustand!

Weinverkostungen:

nur wenige wie in der Bodega Lopez sind gratis, die Touristeninfo weiß Bescheid, für eine kleine Probe mit Führung zahlt man etwa so viel wie für eine Flasche Wein, lohnen tut es sich für Pärchen oder Gruppen, ein exklusives Menü mit Weinbegleitung zu buchen

Tipps für Uspallata:

Geldautomaten gibt es nur wenige, eventuell kann man hier auch im Casino Geld abheben

Unterkunft:

nicht in´s Puri Hostel am Busbahnhof gehen, da die Wände alle Geräusche durchlassen und die Türen halboffen abgesschlossen werden, das empfehlenswerte Samadi hat sogar einen Garten

Essen:

viel vegetarische Möglichkeiten gibt es nicht, das Tibet-Restaurant war geschlossen, im Zentrum gegenüber dem Casino gibt es ein nettes Café mit gutem Internet und leckeren Veggiesandwiches und die Touristeninfo ist sehr gut, man kann sogar Fahrräder leihen in Uspallata!

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