Schlagwort-Archive: Sylvia

Kulinarik à la Colombiana

Die gute Nachricht zuerst: es gibt hervorragende Küche in Kolumbien, wie die berühmten Rausch-Brüder mit ihren im Land verstreuten Restaurants beweisen. Leider bin ich nicht dazu gekommen, diese auszuprobieren und rechtzeitig zu reservieren.
Als Reisende ist es in kleinen Orten und abgelegenen Gebieten selten möglich, gut oder gar vegetarisch zu essen. Bei Nachfrage zu Letzterem wird man oft kopfschüttelnd abgewiesen. Wer als Feinschmecker abnehmen will, ist hier an der richtigen Adresse. Er wird kaum das übliche Gericht wie weißer, geschälter Reis, frittierte Platanos oder anderes Fettgebackenes mit Schuhsohlen-zähem Fleisch verzehren.

20160209_124331
typische Snacks

In der Tatacoa-Wüste wurden mir dazu noch geschmacksneutrale Arepas und „Spaghetti“, Nudeln mit etwas Ketchup vermischt, angeboten. Trockener kann nur die Wüste sein!
Kein Wunder, daß mir Italiener erzählten, vor ihrer Rückkehr nach Italien bei ihren Müttern ihre Lieblingsmenues für mehrere Wochen bestellt zu haben und sich unbändig darauf freuten!
Auf dem Markt in Sylvia ließ mich der nette Kolumbianer vom Essensstand in die Töpfe gucken und siehe da, man kann durchaus lecker vegetarisch und heiß zu einem Spottpreis essen! Endlich!

20160216_103620
Bohnen gemischt mit Salat und Spaghetti, zum Nachwürzen gab´s hausgemachte scharfe Sauce statt Fertigsoße aus der Tube

In Cali entdeckte ich gleich drei naheliegende Vegetarische Restaurants, eines bot ein exzellentes Mittagsbuffet, bei denen die Kolumbianer Schlange standen!

20160209_140257
Lunch im Punto Verde, Cali

Abends probierte ich ein anderes, Italienisch inspiriertes mit Holländischen Bekannten. Meine Pasta war ok, nur leider wie fast immer in Kolumbien, zu trocken. Das selbstgebackene Brot machte es nicht saftiger.

Das künstlerisch dekorierte Nativo in Bogotàs Candelaria bietet Crèpes wie in Frankreich sowie andere vegetarische Spezialitäten wie gute Pasta und Jugos mit frischen Früchten.

Nativos lokale Spezialität
„Nativo“s lokale Spezialität kleine Kartoffeln, gebratene Platanos, Tofu, Avocado, Mais mit hausgemachter Salsa

Diese sind das absolute Highlight in Kolumbien. Ob Mangos, Papaya, Bananen, Ananas, rote, runde Lolos und viele völlig unbekannte Früchte, die ich selbst in Asien noch nie gesehen habe. Die frisch gepressten oder gequirlten Säfte sind wie die Fruchtsalate einfach göttlich!

20160204_143705
meine Favouriten

Das Leitungswasser in läßt sich in allen Städten gefahrlos trinken, in kleineren Orten bei Einheimischen nachfragen. Um die unsägliche Plastikflut zu vermeiden, kann man das Wasser bei Unsicherheit auch abkochen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Märkte in Sylvia, geheimnisvolle Statuen in St. Agostin und die Tatacoa-Wüste in Kolumbien

Popayan begrüßt mich mit entsetzlich stinkendem Verkehr, die perfekt weißgetünchten Häuser können das nicht ausblenden. Jede Minute hat man das Gefühl, umgefahren zu werden. Also nichts wie weg auf den Aussichtspunkt zum Sonnenuntergang.

IMG_1139Er ist bereits gut besucht, natürlich dürfen Essensstände mit ungesunden Snacks und buntem Kinderspielzeug nicht fehlen. Ein übersteuerter Lautsprecher krächzt zu den „Vorführungen“, die manche zum Lachen bringen,  während die Sonne im Dunst untergeht.

Popayan am Sonntag
Popayan am Sonntag

Nur Sonntags kann man den Ort erradeln, die einzige Möglichkeit, vom Verkehr befreit zu sein.

IMG_1150Mich interessiert eher der Dienstags-Markt im nahen Sylvia, auf dem die freundlichen Guambianos ihre selbstgehäkelten und gewobenen Taschen, Obst und Gemüse verkaufen.

fast hätte ich etwas von dieser freundlichen Dame gekauft
fast hätte ich etwas von dieser freundlichen Dame gekauft

Nicht nur Lebensmittel, auch Fernseher, Marihuana und Tinkturen gegen alle erdenklichen Zipperlein werden feilgeboten.

20160216_112847St. Agostin lockt Touristen durch die immer noch nicht enträtselten, über 6300 Jahre alten Statuen an. Früher ein nettes Dorf, werden immer mehr Hotels gebaut, Souvenirshops säumen die Hauptstraße und statt Pferden werden Motorräder und Autos zur Fortbewegung  genutzt. Pferde existieren noch für Ausflüge zu manchen Steinfiguren. Unser war sehr interessant, aber nach 5 1/2 Stunden ohne Reithose doch nicht ganz schmerzfrei.

IMG_1265Beim entspannten Dschungelspaziergang im absolut empfehlenswerten Parque Archeologico genoß ich die Ruhe und  stellte mir vor, was die vor tropischen Baumformationen platzierten Statuen wohl darstellen sollen. Sie sollen Menschen, Götter und Tiere darstellen und haben Asiatische, Indigene und Einflüsse aus der Amazons-Region. Manche wirken harmlos, andere haben Dracula-Zähne, halten Affen oder Kinder in den Händen, die anscheinend geopfert wurden. Mich erinnern manche an die Statuen in Rapa Nui auf den Osterinseln.

IMG_1204Der Deutsche Ehnologe Korad T. Preuss entdeckte die erste große Statue 1913. Zahlreiche sind noch gar nicht gefunden worden, andere von Grabräubern gestohlen.

IMG_1172Weit außerhalb von St. Agostin vertreut, sind noch mehr Statuen zu entdecken. Wir machten daher einen neunstündigen Ausflug durch die bildschöne, serpentinenreiche Berglandschaft mit Kaffeeplantagen, soweit das Auge reicht. An manchen Steilhängen frage ich mich, wie jemand dort ernten oder gar leben kann.

IMG_1277
nicht mein „kleiner grüner Kaktus“

Die Wüste Tatacoa liegt auf dem Weg nach Bogotà, also nehm ich den Bus nach Neiva und von dort den Colectivo in die Wüste. Es soll sehr heiss werden, daher sind die Noches de Saturnia mein Ziel, um in deren Pool zu planschen. Ist auch nett, man kann in Hängematten, Dorms oder Zimmern mit eigenem Bad nächtigen. Essen und Trinken mitbringen ist verboten. Ich ahnte nichts Böses bis ich fragte, was es denn zum Abendessen gibt.  „Spaghetti“ mit etwas Ketchup, die eine Beleidigung für Italien sind, natürlich weißer, geschälter Reis, knochentrockene Arepas und Fleisch. Mit hungrigem Magen fällt es schwer, darüber einen trockenen Witz zu machen. So trocken kann nicht mal die Wüste hier sein, es gibt immerhin Kakteen und Sträucher.

IMG_1294So wanderte ich am nächsten Morgen fast allein durch die nahe rote Wüste, ein Guide ist überflüssig. Die graue Wüste sah ich dann auf dem Rückweg nach Neiva im Collectivo statt einen Ausflug zu buchen.

Tips:

Wer in Popayan übernachten möchte, sollte versuchen, etwas weg von den stark befahrenen Straßen zu finden. Das Hostel Trail hat ganz gute Informationen zu Ausflügen, ist aber sehr laut. Die „heissen Quellen“ sind nicht natürlich und nichts Besonderes. Wer nicht den Vulkan Puracé in acht Stunden erklimmen oder in den Natonalpark möchte, kann Dienstags in Sylvia den sehenswerten Markt besuchen.

In St. Agostin unbedingt den Parque Archeologico besuchen. Die Ausflüge zu den weitläufigen Statuen können anstrengend werden. Ruhige und saubere Unterkünfte zu humanen Preisen sind in der Finca El Maco zu finden, fast ruhig ist es im Los Moyos bei einer Familie. Beide liegen nur einen Kilometer vom Park.