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Geier in Orcha, der HundertfĂŒnfjĂ€hrige Swami Yogananda in Rishikesh, Indien

Geier in Orcha, der HundertfĂŒnfjĂ€hrige Swami Yogananda in Rishikesh

Orcha, im 16. bis 17. Jahrhundert von den Bundela beherrscht, ist nur ein paar Stunden von Khajuraho entfernt. Der Palast Jehangir Mahal, von Raja Bir Singh am Fluß Betwa erbaut, bietet von seinen TĂŒrmen eine phantastische Rundumsicht ĂŒber die Landschaft, Schreine und Tempel.

Beim Pflichtprogramms Palast, Ruinen und umliegende Tempel faszinieren mich die elegant kreisenden Geier am meisten. Hier handelt es sich um Vögel, nicht wie in Khajuraho um ShopverkĂ€ufer und Rikschafahrer. Die Hitze zieht mich zum Fluß mit seinen Pools und Felsenbuchten, ob er zum Baden einlĂ€d?. Das Wasser sieht nicht ganz klar aus, MĂŒll kann ich nicht sehen. Da winken mir Kinder zu, ich soll zu ihnen in den Fluß springen. Es ist heiß, das laß ich mir nicht zweimal sagen und bin Sekunden spĂ€ter samt Kleid im kĂŒhlen Naß. Wir plantschen herum, die Inder schwimmen nicht, sondern paddeln eher wie Hunde. Sie laden mich ein, mit ihnen zu kommen. Ihr „Haus“ besteht aus allem, was man so am Ufer finden kann, hauptsĂ€chlich aus Schilf, das Dach mit Plastik als Regenschutz. Angenehm kĂŒhl ist es. Die MĂ€dchen stylen meine Haare, ein Bindi wird auf die Stirn geklebt und ein Sari fachfraulich umgewickelt. Fertig zum Fotoshooting!

Am nĂ€chsten Tag findet eine Beerdigung statt, das bedeuted, die Tote wird unter GesĂ€nge zum Fluß getragen; verbrannt und darin zur letzten Ruhe im Fluß „gebettet“.

Wegen der Hitze beschließe ich, meine restlichen Indien-Tage im Norden, in Rishikesh zu verbringen. In den 60ern wurde es berĂŒhmt wegen der Beatles, die ein Transcendental Meditation (TM) Training im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi absolvierten. Jetzt hat es sich zu DEM spirituellen Yoga-Kommerzzentrum Indiens gewandelt mit allem, was dazu gehört. Ashrams jeglicher Couleur haben sich angesiedelt, GuesthĂ€user, die unvermeidlichen Souvenirshops und ein paar Tempel, aus denen allabendlich Trommeln und GesĂ€nge ertönen. Der Ganges ist hier tiefgrĂŒn und sichtbar schwimmen hier statt MĂŒll und Leichen wie in Varanasi nur Einheimische beim heiligen Bade, Raftingboote und herausgefallene Touristen herum.

Vor einem Ashram erlebe ich eine „Puja“ Zeremonie, die in hinduistischen Religionen zur tĂ€glichen Praxis gehört. Die Rituale dienen der Konzentration des Geistes, der Öffnung des Herzens und der Einheit mit der göttlichen Kraft.

HauptsĂ€chlich junge MĂ€nner haben sich in Orange versammelt, um zu singen, von Trommeln begleitet. Der bĂ€rtige Guru wird unter Applaus begrĂŒĂŸt und fĂ€ngt ebenfalls an zu singen. Viele Zuschauer, AuslĂ€nder wie Inder, stimmen ein. Feuer in einem Halter in Kobra-Form wird herumgereicht.

Mit geweihtem Wasser, Feuer und SchmuckgegenstĂ€nden wird die göttliche Kraft in Demut gewaschen, geehrt und geschmĂŒckt. Opfergaben wie Blumen, Reis, Milch (bzw. Reismilch) und geheiligte Speisen (Prasad) gehören als Zeichen der Dankbarkeit und Ehrerbietung zu jeder Puja. Sie werden der Gottheit wĂ€hrend des Rituals dargebracht.

Nachdem ich in Orcha die Rache der Indischen Götter ĂŒberlebt habe, bin ich heilfroh im wahrsten Sinne des Wortes, daß die „German Bakery“ mit echtem Kaffee, hervorragendem Kuchen und leckerem, sauberen Essen ohne altem Öl und dem allgegenwĂ€rtigen Zucker aufwarten, endlich! Auf meine Frage an die Inder, warum sie ĂŒberall Zucker hineintun mĂŒssen, antwortet einer, Zucker bringe Energie. Der Witz des Jahres! Im Relaxen und Chillen sind die Inder große Klasse, Energie ist nur in AusnahmefĂ€llen zu beobachten.

Ausgerechnet an meinem Abreisetag unterrrichtet der 105!jĂ€hrige Swami Yogananda Maharaj Ji Yoga, was ich leider verpassen werde! Der einzige Trost ist das Buch von Jonas Jonasson „Der HundertjĂ€hrige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, das einfach glĂŒcklich macht!

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