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Zuschaueransturm auf die DOKfest-Kinos!

Die besten Filme auf dem DOKfest München 2019!

159 anspruchsvolle Filme über das reale Leben lockten 52400 Zuschauer in die Kinos. Das lag nicht nur am Regenwetter, sondern auch an den ernsten, witzigen, berührenden und musikalischen Filmen sowie der Möglichkeit, mit den Protagonisten nach dem Film zu sprechen. DOKfest-Chef Daniel Sponsel, ich und einige andere Cineasten  ließen sich selbstverständlich nicht vom Regen davon abhalten, von Kino zu Kino effektiv zu radeln.

Anastasia mitte, mit ihrer Frau rechts und links die erste Kampfpilotin (früher ein Mann)

Wie immer fiel die Qual der Filmauswahl schwer, hier einige Filmtips: In „ich bin Anastasia“ erzählt die Protagonistin, wie er sich mit 40 Jahren entschied, endlich das zu werden, was er fühlte, nämlich eine Frau. Nicht nur das, sie setzte sich mit natürlicher Autorität als erste Kommandantin eines 800 Mann/Frau starken Bataillons der Deutschen Bundewehr durch. Ein starker Film über diese mutige Frau mit Charisma! Sie und ihre Frau kamen nach dem Film auf die Bühne zum Gespräch.

am 23.5.19 kommt der wichtige und spannende Film „Die Rote Linie“ über den jahrelangen Widerstand gegen die komplette Abholzung des Hambacher Forsts in die Kinos. 90 % sind bereits wegen nicht zukunftsträchtigem Tagebau  vernichtet, die Bevölkerung möchte die restlichen 10 % erhalten.

Vor dem Film „Push“ über Gentrifizierung und Immobilienspekulanten bildete sich eine Menschenschlange von der Kasse zum Kinoeingang im City-Kino, so dass nicht erkennbar war, wo man sich anstellen sollte. Der Film beschreibt, wie in den Städten „normale“ Mieter in lebendigen Vierteln hinausgeworfen werden. Die Wohnungen stehen jahrelang leer, weil mit Spekulieren mehr Geld gemacht werden kann. So veröden ganze Stadtviertel wie in London. Er kommt am 6. Juni 2019 in die Deutschen Kinos.

Kahtera aus „A 1000 girls like me“

In „a thousend girls like me“ setzt sich Kathera in Afghanistan nach jahrelangem Kampf endlich vor Gericht durch, so dass ihr Vergewaltiger und Vater verurteilt wird. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihren zwei Kindern, die auch ihre Geschwister sind, in ständiger Angst vor der Familie ihres Vaters und dass er möglicherweise aus dem Gefängnis entlassen wird. Sie schafft es, aus ihrem Land Afghanistan, in dem Frauen systematisch unterdrückt werden, nach Frankreich zu gehen, um dort mit ihren Kindern in ein neues Leben aufzubauen. Ein erschütterder und wichtiger Film!

die tolle Soulstimme aus „Underground Orchestra“

Wunderbar auch „Underground Orchestra“ aus der Retrospetive von Heddy Honigmann über Straßenmusiker, die zum Teil ursprünglich in hervorragenden Orchestern spielten, aus ihren Ländern fliehen mußten und jetzt ihr Dasein in den Straßen von Paris oder in der Metro fristen müssen. Tragisch schön!

„Wenn wir erst tanzen!“

Wunderbar ehrlich erzählen die Tänzer aus „Wenn wir erst tanzen“ über ihre Träume. Hoyerswerda verlor die Hälfte seiner Einwohner, was blieb? Ein Tänzer und ehemaliger Einwohner kam zurück und gründete ein Tanz-Ensemble. Jeder kann mitmachen, wer wollte, für Stravinski´s „Sacre de Printemps“ trainieren und auftreten. Auch am letzten Festivaltag ließen es sich die Protagonisten nicht nehmen, auf die Kinobühne zu kommen, um Zuschauerfragen zu beantworten. Empfehlenswert!

Richard Siegel Draw a line

Richard Siegal ist gerade in München wegen des „Dance“ Festivals, so paßte es hervorragend, den Film “Richard Siegal Draw a Line and the ballet of difference“ über seine Tanzkompanie anzuschauen und ihn auf der Kinobühne zu erleben. Nicht nur für Tanzfans!

„Another Reality“

Mit geschliffenen, nachdenklichen Dialogen brachte uns „Another Reality“ von Noel Dernesch und Olli Waldbauer zum Lachen. Kein Wunder, dass sie den Kino Kino-Publikumspreis abräumten und der Film demnächst in die Kinos kommen wird. In Another Reality fühlen sich die Interviewten als Deutsche mit großem Familienclan aus Migratonshintergrund und doch anders, so bleiben sie eher unter sich in ihrem Berliner Viertel. Ehrlich erzählen sie von ihrer kriminellen Vergangenheit, mit der sie nicht nur ihre Familie gefährdeten und wie sie sich davon befreit haben. Zwei sind erfolgreiche Musiker geworden, der „Mörder“ Soundtrack zeugt davon.

„Stress“

Jana Irmerts Komposition in „Stress“ von Florian Baron läßt dem Zuschauer Raum und schafft es, den permanenten, psychischen Alarmzustand der von Afghanistan-Krieg traumatisierten Veteranen musikalisch fühlen zu lassen. Er bekam den Musikpreis.

Die bauliche Massnahme“ über den Plan der Österreichischen Koalition, einen 4-Meter hohen Maschendrahtzaun zur Grenze Italiens zu errichten, um Flüchtlinge abzuhalten, erhielt den Viktor DOK Deutsch. Regisseur Nikolaus Geyrhalter gelingt es, die Distanz der Wiener Politiker und der vor Ort lebenden Menschen filmisch eindrucksvoll und gewitzt zu veranschaulichen. Ob im Angesicht der aktuell peinlichen Regierungskrise der Bau noch gelingt, dürfte fraglich sein. Abhalten lassen sich Flüchtlinge davon sowieso nicht.

Über den Viktor DOK Horizonte, gespendet von der Petra-Kelly-Stiftung, freute sich Tuki Jencquel mit seinem Film „Está todo bien“, der die horrende medizinische Situation in Venezuela an verzweifelten Ärzten und Apothekern beschreibt, die geblieben sind, um zu helfen.

Im richtigen Film für Entwicklungshelfer und Politiker „Congo Calling“, erzählt Stephan Hilperts vom Dilemma und dem Scheitern europäischer Entwicklungshilfe, was eigentlich nicht wirklich neu ist. Dass dieser filmische Spagat gelingt, ist nicht zuletzt der unaufdringlichen und gleichzeitig präzisen Kamera zu verdanken, die den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise in das politisch unruhige Herz Afrikas. Er verdiente den Förderpreis für Nachwuchsregisseure, vom FFF mit 5000 € gesponsert.

Andreas Hoesslli kehrt 40 Jahre nach der Iranischen Revolution 1979 im Iran und den Streiks der Gewerkschaft Solidarność 1980 nach Polen zurück, wo er als Forschungstipendiat von Geheimdienstlern belauscht wurde und diese nun interviewt. Damals lernt er Reporterlegende Ryszard Kapuscinski kennen und erfuhr von den Umbrüchen im Iran. Auch dort befragt er Zeitzeugen. Bruno Ganz führt als Erzähler durch die Parallelgeschichte von DER NACKTE KÖNIG – 18 FRAGMENTE ÜBER REVOLUTION, der den DOK-INTERNATIONAL, dotiert mit 10000 €, gewann.

Lust auf mehr? dokaroundtheclock.de aufrufen und das ganze Jahr über informiert sein, wann und wo ein Dokfilm gezeigt wird. Ab dem 28.5.19 werden Filme von Peter Heller zum Beispiel im Atelier-Kino gezeigt.

Zum Dokfan geworden? Bei dokfans erzählen Regisseure von ihren Projekten, so besteht die Möglichkeit, an dem Entstehungsprozess eines Dokfilmes teilzunehmen und rechtzeitig zu erfahren, wann er in den Kinos zu sehen ist.

Fotocredit: alle Fotos, außer dem Titelfoto, DOKfest

Bewegende Realität beim 30. DOK.fest München

Warum sind fiktionale Mainstream-Filme so erfolgreich? Der Zuschauer konsumiert und muß nicht über sich oder seine Umwelt nachdenken. Der Dokumentarfilm bringt ihn dazu und kann  sehr nahe gehen, weil  er mit der Realität zu  tun hat.

Zur Feier des 30jährigen DOK.fest-Jubiläums wurde es um drei Tage verlängert. Bei 140 Filmen, aufgeteilt in 14! Reihen, fiel die Auswahl schwer.

DOKFEST_DSC_5503Zur Eröffnung im Deutschen Theater wurde „The Circus Dynasty“ von Anders Riis-Hansen gezeigt, ein schöner Film über zwei Zirkus-Dynastien und wie Stolz der Liebe vorgezogen wird. Bei 1500 Gästen  wäre es DIE Gelegenheit gewesen, einen kritischen Film  über die Globalisierung und ihre Auswirkungen zu zeigen.

La Buena Vida hätte sich perfekt dafür geeignet. Das Dorf Tamaquito, eine bisher zufriedene Dorfgemeinschaft, die alles Nötige aus dem Kolumbianischen Regenwald bezieht, soll wegen eines neuen Kohlebergwerks umgesiedelt werden.

DOKFEST_LA_BUENA_VIDA_4Der Dorfvorsteher schafft es nach Protesten schließlich, mit dem Bergbaukonzern eine Umsiedlung in ein neues Dorf zu verhandeln, Stromanschluß und fließendes Wasser inklusive. Das Wasser stellt sich  zum Trinken sowie für den Ackerbau als zu mineralhaltig heraus. Von dem Profit aus den Resourcen unter ihrem Dorf haben sie natürlich nichts.

Deutschland bezieht ein Drittel der Kohle Kolumbiens. 1,5 Millionen Menschen werden weltweit jedes Jahr wegen des Abbaus von Kohle und anderen Resourcen umgesiedelt.

2016 wurde der Film mit dem Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm prämiert und erhält damit hoffentlich die  Aufmerksamkeit, die er verdient.

DOKFEST_FALCIANI_UND_DER_BANKENSKANDAL_3
FALCIANI

In der Reihe „Money“ wurde unter anderen Falciani und der Bankenskandal gezeigt. Der attraktive Franzose ist für den größten Diebstahl von Kundendaten bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der HSBC-Bank verantwortlich. Damit brachte er die G20 Staaten dazu, den Steueroasen wie der Schweiz das Leben schwerer zu machen.

Sud au nord déplacer „South to North“ von Antoine Boutet zeigt Bilder und Betroffene eines Mega-Wasserprojektes der Chinesischen Regierung. Beijing wird in nicht allzu ferner Zukunft im Sand versinken. Um das zu verhindern, soll aus vier großen Flüssen Wasser in den trockenen Norden umgeleitet und die Bewohner mal wieder umgesiedelt werden, was  für Südostasien verheerende Folgen haben kann.

ein toller Musiker aus A Global Joy
ein toller Musiker aus A Global Joy

In A Global Joy lernt Regisseur Bruno Fritzsche Straßenmusiker aus ganz Europa kennen. Manche stellen sich als hevorragende Musiker heraus, die ihre Freiheit dem Musikbusiness vorziehen. Während die Behörden in Paris streng sind, wird ein Musiker mit seinem wunderbaren Perkussion-Instrument in einem Bretonischen Ort für sein Spiel offiziell bezahlt. Ein Film, der gute Laune macht!

Andermatt
Andermatt

In Andermatt Global Village, ein ursprünglich idyllisches Dorf in den Schweizer Alpen, entsteht ein neues Luxusdorf mit Hotel, Golfplatz und Privatvillen, selbstverständlich nicht für jedermann erschwinglich. Mit gemischten Gefühlen haben die Einwohner zugestimmt, es soll ja Umsatz und Arbeitsplätze bringen, nachdem sich der bisherige Arbeitgeber, die Schweizer Armee, aus dem Gebiet zurückgezogen hat.

Das Fünf-Sterne Chedi-Hotel steht, ob der Rest gebaut wird, steht noch in den Sternen. Wie es sich anfühlt, im Hotel zu nächtigen, kann man in gourmino-express.com/2611/sawiris-chedi-welt-im-kanton-uri/ nachlesen.

Something better to Come  von Hanna Polak über ein Mädchen, das auf einer Müllhalde vor den Toren Moskaus lebt, ein Märchen über Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt, bekamm den mit 10000 € dotierten Viktor-Preis im Wettbewerb DOK International.  Den Viktor DOKDeutsch mit 5000 € bekam Aus dem Abseits,  Simon Brückners Film über seinen Vater Peter Brückner,  enen linksintellektuellen, politischen Psychologen.  Eine intelligente Investigation zu Wahnsinn und Methode in einem Krankenhaus in Dakar zeigt Joris Lachaise in Ce qu´il reste de la Folie und gewann damit den DOK Horizonte Preis, dotiert mit 3000 €.

Der Zuschauerandrang und das Interesse auf dem 30. DOK.fest München 2015 war groß, die 35000 Zuschauer haben die vom Vorjahr übertroffen. Einige Filme sind auch da zu sehen, wo sie hingehören, im Kino!

alle Infos unter: www.dokfest.de

 

 

Die spannende Realität beim Dok-Fest München entdecken

Wer bei endlosen Remakes, Vampiren und Pyrotechnik in Tiefschlaf verfällt, konnte auf dem diesjährigen 28. Dok-Fest in München so manche Entdeckung machen. Über 20000 begeisterte Zuschauer ließen sich von 131 Filmen aus 38 Ländern überraschen.

In „Guerilla-Köche“ zieht es zwei junge Köche aus der Sterne-Küche nach Asien, um Neues auszuprobieren und sich inspririeren zu lassen. In einer Thailändischen Garküche, durch den Autoverkehr mit Abgasen aromatisiert, lernen sie die Feinheiten der Thailändischen Küche. Nach Kambodscha und Vietnam landen sie in einem Gourmetrestaurant Hongkongs, dessen Chef meint, Essen sei wie Sex, egal wie und mit wem man´s macht, es soll Spaß machen!

Wal (hervorragend!), gebackene Kakerlaken, Vogelspinnen und Kobra, der zuerst der Kopf abgeschlagen wird, damit das Blut zum Trinken in ein Glas laufen kann, bevor ein Dreigängemenue entsteht, werden mutig probierrt. Wundert es da, daß unsere Sterneköche wie die Schlote rauchen und warme Whisky Cola herunterspülen?

In “ Fuck for Forest“ verkauft eine Gruppe Neu-Hippies ihren Spaß am Sex im Internet, um Geld für ein Stück Regenwald zu sammeln. Das verspricht mediale Aufmerksamkeit, obwohl es beim westlichen Menschen eher ein Gähnen hervorruft. Die Indios lehnen das Geld ab, als sie erfahren, wie das Geld verdient wurde. Schade, daß unsere Hippies sich nicht vorher über andere Kulturen informiert haben.