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Film- oder Fußballfieber, keine Frage auf dem Filmfest MĂŒnchen 2014

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Eine talentierte Entdeckung aus „Die Karte meiner TrĂ€ume“: Hauptdarsteller Kyle Catlett Foto Filmfest

Der fußballaffine CinĂ©ast mußte tapfer sein auf dem diesjĂ€hrigen Filmfest MĂŒnchen.  Parallelen zwischen Film und Fußball gibt es genug, die Dramaturgie muß stimmen, sonst langweilt sich der Zuschauer!   Bisher zeigte die WM in Brasilien Herzattacken-verdĂ€chtiges Dramapotential, da mĂŒssen die Filme erstmal mithalten.

Regisseur Jean-Pierre Jeunet eröffnete das Filmfest mit seinem Film Die Karte meiner TrĂ€ume“.  Mit dem Vater, einem SpĂ€t-Cowboy,  der Insekten- verrrĂŒckten Mutter, herrlich skurril gespielt von Helena Bonham-Carter und seiner Schwester, die von Schönheits-Wettbewerben trĂ€umt, lebt der hochbegabte, zehnjĂ€hrige T.S. Spivet auf einer abgelegenen Farm in Montana. Wissenschaftliche Experimente gehören zu seiner Leidenschaft.  Als er plötzlich nach Washington zum Smithsonian Institut eingeladen wird, um einen Preis fĂŒr seine Erfindung zu erhalten, begibt er sich heimlich per Zug auf eine abenteuerliche Reise.  G.H. Gibson vom Smithsonian, gierig gespielt von Judy Davis, wittert sogleich enorme Publicity, als sie erfĂ€hrt, daß der PreistrĂ€ger noch so jung ist.   Da hat sie aber nicht mit seiner Familie gerechnet! Ein wunderbarer Film zum TrĂ€umen.

Beim anschließenden Eröffnungs-Empfang

Der Eröffnungsempfang im Bayerischen Hof open air
Open Air- Eröffnungsempfang im Bayerischen Hof Foto by DK

fehlten weder Jean-Pierre Jeunet noch seine Entdeckung Kyle Catlett, um mit der fast vollstÀndig versammelten Filmbranche open air zu feiern, als die Decke des Festsaals im Bayerischen Hof  sich wie durch ein Wunder öffnete.

Am nĂ€chsten Tag ging der Party-Marathon weiter mit dem Sommerfest der Agenturen zum Brunch im HÂŽugos.  Abends lud die Ufa Fiction  in die Reitschule zum Networking, wĂ€hrend auf der Praterinsel schon beim DirectorÂŽs Cut das Tanzbein geschwungen wurde.  Zwei Tage spĂ€ter beiMovie meets Mediaim P1 war WM- vorgesorgt, die gutgelaunten  GĂ€ste  fieberten und zitterten bei Deutschland gegen Algerien mit und stĂŒrmten anschließend die TanzflĂ€che. So versĂ€umten sie das jetzt schon legendĂ€re Interview mit Mertesacker.

Auch bei dem auf 158 Filme erschlankten Programm fiel die Auswahl schwer. “Gergiev: a certain madness” dokumentiert die Konzert-Reise vom wegen seiner NĂ€he zu Putin umstrittenen, zukĂŒnftigen Dirigenten der MĂŒnchner Philharmoniker Gergiev, durch die Russische Provinz mit der Transsibirischen Eisenbahn. Schweiß strömt von seinem Gesicht, wenn er ganz mit der Musik versunken, dirigiert. Einer seiner Freunde erzĂ€hlt, bei ihm ginge es in der Musik um Leben und Tod.  Ein Faszinierendes Portrait des Musik-Beserkers.

Udo Kier freute sich so sehr als ĂŒber seinen Cine Merit Award, daß er bis morgens um vier im Bayerischen Hof feierte.

Udo, Diana Iljine und GĂ€ste feierten im Bayerischen Hof
Udo, Diana Iljine und GĂ€ste feierten im Bayerischen Hof Foto Filmfest

Unter anderen stellte er auch seinen Film „Tod eines Weltstars“ von Christoph Schlingensief vor, eine komplett-durchgeknallte Satire auf den Starruhm, der umso grĂ¶ĂŸer wird, wenn der Protagonist tot ist oder so tut.  Die schwindelerregende Kamera gleicht einer Achterbahnfahrt, nur unschĂ€rfer.

Unterhaltsamer waren Udo Kier `s Anekdoten. WĂ€hrend der Berlinale besuchte er die ĂŒbervolle Paris Bar, in der sich tous le monde der Filmbranche trifft und entdeckte Schlingensief mit der damals  jungen Tilda Swinton. Er wollte sich zu ihnen gesellen, da der LĂ€rmpegel alles ĂŒbertönte, unterhielten sie sich zu dritt unter dem Tisch weiter.

Im Special Sreening wurde das SpĂ€twerk von Meisterregisseur Billy Wilder „Fedora“

Marthe Keller und Henry Fonda
Marthe Keller und Henry Fonda

gezeigt, eine dĂŒstere Parabel auf den Preis des Ruhms und was mancher dafĂŒr opfern wĂŒrde. Marthe Keller spielt die Fedora und William Holden einen Filmproduzenten, der sie fĂŒr seinen Film engagieren möchte. UnwillkĂŒrlich erinnert er an WilderÂŽs Meisterwerk „Sunset Boulevard“ ĂŒber verblaßten Starruhm mit Goria Swanson als Leinwand-Legende und William Holden als armen Schriftsteller, der bei ihr einzieht.

In „Swan Song:the Story of Billy WilderÂŽs Fedora“ zeigt Regisseur Robert Fischer, wieviel Schwierigkeiten Wilder hatte, den Film, der in den Bavaria Film Studios gedreht wurde, zu produzieren.

Sehr amĂŒsant erzĂ€hlt Regisseur Jan Martin Scharf in “Dessau

Performance vor der „Dessau Dancers “ VorfĂŒhrung Foto DK

Dancers” von Jugentlichen1985 in Dessau, die den Breakdance fĂŒr sich entdecken.  In der Öffentlichkeit! Das paßt den Apparatschicks gar nicht und sie versuchen mit allen Mitteln, sie zum organisierten “Schautanz” mit allen Vorteilen zu bewegen. Dann können sie nicht mehr verhaftet werden.  Da mĂŒssen grundlegende Enscheidungen getroffen werden.  Eine interessante Studie ĂŒber Freiheit und ihren Preis!

Apropos Preise, diese wurden zahlreich vergeben auf dem Filmfest MĂŒnchen. Den Förderpreis Deutsches Kino Regie gewann “Shoppen” Regisseur Ralf Westhoff fĂŒr “Wir sind die Neuen”,

Regisseur Ralf Westhoff mit seinen „Wir sind die Neuen“ Darstellern Foto Filmfest

eine schrĂ€ge Komödie ĂŒber die  Ex- und wieder WG-Bewohner  Heiner Lauterbach, Gisela Schneeberger und Michael Wittenborn und ihre spießigen, jungen Nachbarn, die ob des WG LĂ€rms nebenan verzweifeln, da der PrĂŒfungsstress sie fertigmacht. AmĂŒsant und ĂŒberrraschend entwickelt sich die Geschichte anders als man denkt.

Den Publikumspreis gewann die gesellschaftskritisch-politische Komödie “Ein Geschenk der Götter” vom MĂŒnchner Oliver Haffner. Eine arbeitslose Schauspielerin muß zur Selbsterfahrung einen Theaterworkshop fĂŒr 10 ebenfalls Arbeitslose geben und studiert, begleitet von viel Chaos, “Antigone” mit ihnen ein. Der Produzent Ingo Fliess wurde mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet.

FĂŒr seinen bewegenden Film „Das Salz der Erde“ erhielt Wim Wenders den One Future Preis. Er portrĂ€tiert sensibel den Brasilianischen Fotojournalisten Sebastiao Salgado, der fĂŒr seine Projekte die Brennpunkte der Welt bereiste, das unvorstellbare Elend in der Sahelzone oder den Genozid in Ruanda dokumentierte, bis er davon krank wurde, sich auf die noch verbliebene Schönheit der Erde konzentrierte und sein „Tribute-to-the-Earth-Project “ Genesis grĂŒndete. Auf der Brasilianischen Ranch der Familie wird der zerstörte Regenwald nach un nach wieder aufgeforstet. Film- oder Fußballfieber, keine Frage auf dem Filmfest MĂŒnchen 2014 weiterlesen