Der Manila-Moloch umschlang mich, kaum, dass ich am Flughafenausgang eine Art Tunnel betrat, um auf mein Grabtaxi; Über auf asiatisch; zu warten. Ununterbrochen fuhren Taxis vorbei und hielten an, um ihre Passagiere einzuladen. Da mein Grabtaxifahrer absagte, durfte ich noch länger den Lärm inklusive Abgase genießen. Meine Taxifahrerin hatte ihren Master in Naturwissenschaften gemacht und wollte sich in Taiwan bewerben. Ich war froh, bald in meinem Hotel zu landen und schnellstmöglich aus Manila mit seinem Verkehrsinfarkt und unschönen Megahochhäusern zu fliehen.
325 km radeln von Blois-Tours-Chinon-Fontevraud l´Abbaye-Azlay-Le-Rideau nach Chenoncaux
Angekommen in Blois, besichtigte ich nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die mittelalterlichen Gassen, das Schloss, die ständige Residenz der französichen Könige, wo die wichtigsten Bündnisse geschlossen wurden. Aus dem 13. Jahrhundert der Gotik ist nur der Rittersaal erhalten, der spätgotische Flügel verbindet italienische mit nordischen Stilen und die schönste Fassade mit dem runden Turm stammt aus der Renaissance um 1515.
Schloss Blois
Der Klassizismus hielt 1635 Einzug durch den Herzog von Orleons, konnte aber wegen Geldnot nicht vollendet werden. Am Abend durfte ich einen Teil der Schloss-Geschichte bei der animierten Lichtershow erleben, ein absolutes Highlight!
382 Kilometer per Rad auf dem Loire en Vélo-Radweg von Nevers nach Blois
Auf der Suche nach einer Unterkunft landete ich durch Warmshowers auf einer alternativen Ököfarm mit eigenem Gemüsegarten und Trockentoiletten, mir aus Eco-Hostels in Ost-Timor und Nicaragua bekannt. Die Betreiber backten eigenes Brot und kochten Brombeermarmelade von ihren Beerensträuchern ein, die sie auf dem Markt in Decize verkauften. Dort lernte ich Anouk kennen, die mir ihr Cinecyclo, Kino auf dem Tourenrad, vorstellte. Der Gepäckträger wird unters Hinterrad gedreht, damit die Pedale von freiwilligen Zuschauern getreten werden kann, um Strom herzustellen. Der wird auf ein spezielles Akkugerät übertragen, verkabelt mit dem Miniprojektor mit USB-Film. Sind die Lautsprecher angeschlossen, die Leinwand ausgerollt und gestrafft, kann das Open-Air Kinoerlebnis beginnen. Die Stadtverwaltung von Decise stellte einen Platz zur Verfügung, das Tourismusamt sorgte für Werbung, die ein bisschen mehr Schwung gebrauchen könnte, aber unsere Truppe von der Farm machte Stimmung!
In Basel mit dem Flixbus eingetroffen, hatte ich mich auf der Rheinpromnade verfranzt und rief einem Paketauslieferer mit Radanhänger, in München Lastenradvati geschimpft, zu, ob er den Weg wüßte. Er hielt sofort an und erklärte mir genau, wie ich zum Euro Velo 6 komme. Er wurde höflich gefragt, ob er seinen Anhänger beiseite fahren könnte, er blockiere den Weg. Eine denkbar ungewohnte Reaktion für mich, die ganz andere Töne vom agressiven Verkehrsaufkommen Münchens gewohnt ist. Auf der gesamten Etappe genoss ich nur entspannte Radler und wenn es über Straßen ging, rücksichtsvolle Autofahrer.
Ecuador war mein ursprüngliches Ziel im Februar 2024, dass sich wegen Überfällen und Kriegen unter Drogenbanden im Ausnahmezustand samt Ausgangssprerre befand. So buchte ich einen Anschluss-Flug am selben Tag über Panama nach San José in Costa Rica. Schon in Madrid saß ich wie auf Kohlen, als es zwemal hieß, alle noch mal aus Sicherheitsgründen das Flugzeug verlassen. Mit mehr als einer Stunde Verspätung in Quito eingetroffen, drängelte ich mich durch die Immigration, über´s Gepäckband und durch Sicherheitssprerren, um am Gate zu landen, das gerade geschlossen und für mich wieder geöffnet wurde. Kaum hatte ich es mir auf meinem Platz gemütlich gemacht, hieß es, wir warten noch auf andere Passagiere, was ohne Auftauchen dieser 45 Minuten dauerte. So verpassten wir unsere Anschlussflüge in Panama, wo wir in ein nettes Hotel eingeladen wurden. Nach 24 Stunden auf Reisen konnte ich endlich in ein Bett sinken!
Vor 10 Jahren war ich zum ersten Mal in Bali und hatte eine wunderbare Zeit, auch vor 6 Jahren war es trotz viel Verkehr noch gut zu bereisen, aber jetzt, 2023? Öffentliche Busse existierten fast nicht mehr, das heißt, es gab einen Elektro-Bus, der günstig von Ubud in den Süden fuhr, es weiß bloß fast niemand davon. Mein Versuch, eine notwendige E-Money-Card dafür zu kaufen, wurde vom Ausverkauf oder von der Taxi-Mafia? vereitelt. Alles drängelte sich im Stau von Ubud und durfte sich am ohrenbetäubenden Motorradgeknatter und stinkenden Abgasen erfreuen, Radeln war lebensgefährlich. Die meisten Touristen setzten sich direkt in Restaurants an die vielbefahrenen Straßen, um mit Abgasen gewürzte Speisen, untermalt von Verkehrslärm, zu genießen. Ein Spaziergang in Ubud glich einem Spießrutenlauf, überall sollte ich den Verkäufern Glück bringen, in dem ich etwas kaufen sollte; Massage-Angebote und Taxis lauerten an jeder Ecke.
Die erste Nacht in Medan, der Hauptstadt Sumatras, begann mit einem Schreckmoment, da das Hostel, in dem ich ein Zimmer reserviert hatte, ausgebucht war. Der Betreiber zeigte mit ein Zimmer in der Nähe, vollgestopft mit Utensilien unbekannter Herkunft, die unangenehm rochen. Ich sah in meinem inneren Auge Kakerlaken die Wände hochgehen und ging angeekelt rückwärts hinaus, wurde von dem Hostelbetreiber unverschämt angeredet und beschloss, mir ein nettes Hotel zu suchen. Den guten Bewertunges des Hostels war offensichtich nicht zu trauen.
Wo ist Ost-Timor fragte jeder, dem ich von meinen Reiseplänen erzählte. Der jüngste Staat des 21.Jahrhunderts und gehört zu den kleinen Sunda Inseln und hat eine wenig friedliche Geschichte hinter sich. Nach 9 Tagen Unabhängigeit von 450 Jahren Portugiesischer Besatzung, besetzte Indonesien 1975 Ost Timor. 25 Jahre lang kämpften die Einheimischen für ihre Unabhängigkeit, bei der 200000 Menschen um´s Leben kamen. 2002 wurde das Land endich von den Vereinten Nationen in die Unabhängigkeit entlassen.
Eine graue Dunstwolke begrüßte mich in Bangkok, vor der ich so schnell wie möglich fliehen wollte.
Mit der Aussicht auf Smog nützt das schönste Hotelzimmer nichts
Am Abend fand ich kaum einen Platz in einem Restaurant, dass nicht direkt an einer stark befahrenen Straße lag. Ich fand eins am Klong, einem der Kanäle Bangkoks. Alle 10 Sekunden raste lautstark ein Motorrad einen Meter von meinem Tisch vorbei.
Gibt es überhaupt das Paradies? Schon bei Adam und Eva war es nicht ganz perfekt. Für mich findet das Paradies im Kopf statt, wenn ich fühle, es passt, ich bin angekommen, fühle mich unendlich wohl an einem Ort. Absolut paradiesisch waren für mich der Aufenthalt im Viceroy auf Bali, allein die Massagen mit Blütenbad waren traumhaft, ebenso das Tongsai Bay Resort mit eigenem Biogarten und Kino am Strand, weit, aber nicht zu weit weg vom Touristentrubel auf Koh Samui. Bei einer Insel möchte ich einen schönen Strand zum Schwimmern, möglichst auch zum Schnorcheln. Um nicht in der Sonne zu Braten, brauche ich Schatten und einen schönen Bungalow mit Moskitonetz, Hängematte und Fenstern, die ich nachts offen lassen kann, ein für Einheimische unverständlicher Wunsch.
Auf der Suche nach den verlorenen Paradies-Inseln landete ich mit dem Zug in Trang im Süden Thailands. Da der Sleeper ausgebucht war, probierte ich einen Sitzplatz mit Ventilator, eine nicht empfehlenswerte Entscheidung! Von Trang´s Bahnhof konnte ich einfach einen Transfer nach Koh Mook buchen. Angekommen, traf ich diesmal die richtige Entscheidung, das Mook-Garden-Beach-Resort war genau richtig. Es gibt Bungalows für jeden Geldbeutel, überall im Garten laden Hängematten zum Relaxen ein, der kleine Pool hat kühles! Wasser, es ist ruhig, nicht mal Motorradlärm nervt, von überall hat man freie Sicht auf die Bucht und das Restaurant lockt mit leckerem Essen.